Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Deutschland

Richter weist mutmaßlichen Kehlsteinhaus-Brandstifter vorläufig in Psychiatrie ein

Das Gebäude am Obersalzberg ist nach dem Feuer vom Freitagabend weitgehend zerstört. Ein mögliches politisches Motiv prüft die Staatsanwaltschaft laut OVB noch; Innenminister Herrmann rechnet mit einem Wiederaufbau.

Der mutmaßliche Brandstifter des Kehlsteinhauses in Berchtesgaden ist vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus geschlossen untergebracht. Ein Ermittlungsrichter erließ gegen den 33-Jährigen am Samstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein einen Unterbringungshaftbefehl wegen eines Brandstiftungsdelikts, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit. Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte in einem Kurzgutachten eine psychische Erkrankung des Beschuldigten diagnostiziert. Das historische Gebäude hoch über Berchtesgaden war am Freitagabend in Vollbrand geraten und ist nach Angaben der Polizei weitestgehend zerstört; verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Zu Hintergründen und Motiv ermitteln Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Traunstein weiter.

Der Brandalarm ging nach Angaben der Polizei am Freitag gegen 21.15 Uhr bei der Integrierten Leitstelle Traunstein ein, die Feuerwehren sahen schon auf der Anfahrt, dass das Gebäude in Vollbrand stand. Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehren aus sechs Gemeinden, Kreisbrandinspektion, Rotem Kreuz, Bergwacht und Polizei waren die ganze Nacht im Einsatz. Einsatzkräfte der Feuerwehr stellten kurz nach Brandausbruch eine verdächtige Person im Umfeld fest, die Polizei nahm den Mann gegen 21.45 Uhr vorläufig fest. Er ist nach Angaben der Polizei Deutscher mit Wohnsitz in Berlin; im Laufe des Samstags hätten sich die Verdachtsmomente zu einem dringenden Tatverdacht erhärtet.

Ob hinter der Tat ein politisches Motiv steckt, werde ebenfalls geprüft, sagte Staatsanwalt Rainer Vietze laut dem Oberbayerischen Volksblatt am Samstag bei einer Pressekonferenz in Berchtesgaden; die Ermittlungen dazu stünden aber noch ganz am Anfang. Es müsse von zumindest verminderter Schuldfähigkeit ausgegangen werden. Der Mann war den Einsatzkräften nach Angaben des Blatts auf der Kehlsteinstraße mit einem Motorrad entgegengekommen. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dankte der Polizei für ihr Eingreifen. Ein Sachverständiger des Landeskriminalamts soll die Brandursache in den kommenden Tagen untersuchen; betreten können die Ermittler die Ruine laut Polizei bislang nicht gefahrlos.

Der Freistaat Bayern ist Eigentümer des Hauses. Herrmann geht von einem Wiederaufbau aus. „Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können“, sagte er laut dem Blatt am Rande des CSU-Parteitags in München der Deutschen Presse-Agentur. Das Gebäude sei gut versichert, der Wiederaufbau werde aber einige Zeit dauern; wegen der Geschichte des Ortes sollen auch Historiker einbezogen werden. Den Schaden schätzt der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden nach Angaben der dpa, die die FAZ verbreitet, auf einen Millionenbetrag. Der Zweckverband meldet auf der Seite des Kehlsteinhauses, das Haus sei wegen des Brandes bis auf Weiteres geschlossen.

In der Nacht zum Sonntag flammte das Feuer erneut auf. Es habe noch einmal zimmerhoch gebrannt, sagte ein Polizeibeamter laut dpa; die Feuerwehr löschte die Flammen. Nach Angaben des Oberbayerischen Volksblatts bemerkten Beamte einer alpinen Einsatzgruppe der Polizei gegen 2.30 Uhr Winterzeit Rauch und offene Flammen in der Ruine, gegen 4.30 Uhr war der Einsatz beendet. Laut Polizei bleibt das Gebiet um den Brandort gesperrt, über ihm gilt eine Flugverbotszone für Drohnen. Die Polizei bittet Wanderer und Bergsteiger, die Region großräumig zu meiden.

Das Kehlsteinhaus wurde nach Angaben des Zweckverbands 1938 fertiggestellt und war laut dessen Chronik ein Projekt Martin Bormanns. Die Nationalsozialisten errichteten es laut dpa als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg. Hitler besuchte das Haus nach Angaben des Zweckverbands äußerst selten, ein Geschenk zu seinem 50. Geburtstag war es entgegen verbreiteter Annahme nicht. Bomben trafen es im Zweiten Weltkrieg nicht, gesprengt wurde es auch danach nicht. Bis zum Brand war es seit dem 17. Mai 1952 eine öffentlich zugängliche Berggaststätte, auf deren Sonnenterrasse eine Ausstellung des Instituts für Zeitgeschichte die Geschichte des Hauses zeigte. Das Institut betreut auch die Dokumentation Obersalzberg, den Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Bergs und der NS-Diktatur.