Montag, 19. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Russischer Großangriff trifft Energie in elf Regionen

Die Luftwaffe meldet 247 abgefangene Ziele und Treffer an 25 Orten. In Irpin werden 17 Menschen verletzt, laut Selenskyj sind mindestens 550.000 Familien ohne Strom.

Russland hat die Ukraine in der Nacht zum 19. Oktober 2026 mit ballistischen Raketen vom Typ Iskander-M und S-400, Marschflugkörpern vom Typ Iskander-K und 269 Kampfdrohnen verschiedener Typen angegriffen, darunter 59 strahlgetriebene. Das teilte die ukrainische Luftwaffe am Montagmorgen auf Telegram mit. Bis 8 Uhr MESZ habe die Flugabwehr 247 Ziele abgeschossen oder elektronisch ausgeschaltet, darunter vier Marschflugkörper und 243 Drohnen. An 25 Orten registrierte die Luftwaffe Einschläge, an acht weiteren gingen Trümmer nieder. Wie viele ballistische Raketen Russland einsetzte, nannte sie nicht.

Präsident Wolodymyr Selenskyj bezifferte ihre Zahl am Vormittag auf 16; Hauptziel seien Kyjiw und die umliegende Region gewesen, schrieb er auf Telegram. In dieser einen Nacht seien mehr als zehn Anlagen der Energieinfrastruktur beschädigt worden, mindestens 550.000 Familien hätten keinen Strom.

Nach Angaben des Energieministeriums griff Russland Energieanlagen in elf Regionen an: Winnyzja, Wolhynien, Kirowohrad, Kyjiw, Mykolajiw, Schytomyr, Chmelnyzkyj, Charkiw, Ternopil, Odessa und Riwne. In Winnyzja wurde ein Energiearbeiter verletzt. Ein Teil der Abnehmer sei wieder versorgt, die Reparaturen würden jedoch durch lange Luftalarme erschwert. In der vergangenen Woche habe Russland die Energie- sowie die Öl- und Gaswirtschaft 87-mal gezielt angegriffen, sagte der Erste Vizeminister Artem Nekrassow.

Der Netzbetreiber Ukrenergo meldete neue Stromausfälle in zehn Regionen. Um beschädigte Anlagen nicht zu überlasten, gelten in Teilen der Ukraine bis Mitternacht stundenweise Abschaltungen für alle Verbrauchergruppen und Leistungsbegrenzungen für die Industrie. Ukrenergo bat die Bevölkerung, zwischen 15 und 21 Uhr MESZ auf leistungsstarke Elektrogeräte zu verzichten.

Im Umland der Hauptstadt wurden in Irpin 17 Menschen verletzt, darunter acht Kinder, teilte die Militärverwaltung der Region Kyjiw mit. Bis 10 Uhr MESZ zählte sie in der Stadt 84 beschädigte Objekte, darunter 70 Einfamilienhäuser, vier Hochhäuser, sechs Autos sowie Produktions- und Lagerhallen. Verwaltungschef Tymur Tkatschenko hatte am Morgen zudem drei Vermisste gemeldet, berichten Ukrajinska Prawda und der Kyiv Independent.

Russland feuerte die ballistischen Raketen nach Angaben von Luftwaffensprecher Jurij Ihnat in zwei Wellen ab, gegen 22 Uhr und gegen 2 Uhr MESZ. Vor der ersten Welle habe die Ukraine von ihren Partnern keine Vorabinformation erhalten, vor der zweiten schon, sagte Ihnat laut dem Kyiv Independent im ukrainischen Fernsehen. Die Ursache prüften Fachleute gemeinsam mit den Partnern.

In der Hauptstadt zerstörte der Angriff nach einem Bericht der Kyiv Post ein Rechenzentrum des Telekommunikationsanbieters Datagroup; das Unternehmen erklärte demnach, Wiederaufbau und Weiterbetrieb seien unmöglich, Kunden würden über Ersatzstandorte versorgt. Zu den Schäden an Metro, Wohnhaus und Klinik in Kyjiw siehe unseren Bericht vom Morgen.