Sonntag, 11. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Ukraine meldet erneuten Schlag auf die Ölstation Samara bei Proswet

Der Generalstab beziffert die Schäden noch nicht, russische Behörden bestätigen keinen Treffer. Für die Station ist es seit dem 2. Oktober der dritte gemeldete Angriff.

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach Angaben ihres Generalstabs in der Nacht zum 10. Oktober 2026 die Pump- und Dispatch-Station Samara bei der Siedlung Proswet in der russischen Oblast Samara erneut getroffen. Die Station gehört nach ukrainischer Darstellung zu den großen Knoten Russlands, an denen Rohöl angenommen, gelagert und gemischt wird. Wie schwer der Schaden ist, hat der Generalstab nach eigenen Angaben noch nicht beziffert; unabhängig bestätigt ist der Angriff bisher nicht.

Der Generalstab beschreibt in seinem Telegram-Beitrag die Station als Zielpunkt von Magistralleitungen aus Tatarstan, Westsibirien und weiteren Förderregionen. Dort werde Öl mit unterschiedlichem Schwefelgehalt zur Exportsorte Urals gemischt, außerdem sei der Betrieb in die Versorgung der russischen Streitkräfte eingebunden. Zugleich erklärte der Generalstab, der Schlag vom 7. Oktober habe vier Tanks vom Typ RVS-50000 zerstört und einen großflächigen Brand ausgelöst. Das ist eine Angabe der ukrainischen Seite. Auch Ukrainska Prawda und Ukrinform geben die Meldung wieder; sie stützen sich dabei auf den Generalstab, nicht auf eigene Beobachtung.

Von russischer Seite liegt keine Bestätigung eines Treffers vor. Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew schrieb nach 63.ru, über der Region seien mehrere Dutzend ukrainische Drohnen abgeschossen worden; nach vorläufigen Angaben gebe es weder Tote noch Verletzte, Rettungskräfte arbeiteten an den Absturzstellen. Er nannte weder die Station noch Schäden an einer Anlage und verbot, Fotos und Videos der Folgen zu veröffentlichen. Der Drohnenalarm galt laut 63.ru von 1.39 bis 6.33 Uhr. Die Luftfahrtbehörde beschränkte laut AiF-Kasan zeitweise den Flugverkehr am Flughafen Kurumotsch. Dieselbe Zeitung gibt an, das russische Verteidigungsministerium habe für die Nacht von 20 Uhr Moskauer Zeit am 9. Oktober bis 8 Uhr am 10. Oktober 560 abgefangene Drohnen über 15 Regionen gemeldet, darunter die Oblast Samara. Für die Station selbst folgt daraus nichts.

Ob es der zweite oder dritte Schlag ist, hängt von der Zählung ab. Die Kyiv Post nennt den Angriff vom 10. Oktober den zweiten und rechnet vom 7. Oktober an. Der Generalstab hatte aber schon für die Nacht zum 2. Oktober Schäden an der Station gemeldet; nach dem Kyiv Independent bestätigte er am 7. Oktober beschädigte Tanks, Leitungsabschnitte und eine Anlage zur automatisierten Ölabgabe. Der Angriff vom 2. Oktober ist im Text über die Ölanlagen in Wolgograd und Samara beschrieben. Am 7. Oktober berichteten Monitoring-Kanäle von einem großen Feuer; der Kyiv Independent stützt sich dabei auf Videos des Kanals Exilenova+ und auf Hitzepunkte im NASA-Dienst FIRMS. Die ukrainische Zeitung NV zitiert Satellitenbilder eines Open-Source-Projekts, auf denen vier Tanks ausbrennen. Der Generalstab schreibt den Schlag vom 7. Oktober mittlerweile selbst zu.

Die Meldung fällt in die Debatte um ukrainische Schläge auf russische Ölanlagen, an der sich Kiew und Washington reiben. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 11. Oktober nach der Kyiv Post, die Ukraine sei bereit, Schläge auf Raffinerien einzustellen, wenn Russland seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen beende. Eine Bestätigung des Schadens in Proswet durch Reuters, AP oder russische Behörden fand sich in den geprüften Quellen bis Sonntagmittag nicht.