Russische Gleitbomben töten in Saporischschja mindestens 20 Menschen
Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes stieg die Opferzahl im Tagesverlauf von sieben auf 20, Rettungskräfte suchten weiter nach Verschütteten. In Kiew fielen nach Angriffen auf Energieanlagen Strom und Wasser teilweise aus. Präsident Selenskyj verbindet die Angriffe mit der von Donald Trump angekündigten Lockerung der Dieselsanktionen.
Russland hat die ukrainische Stadt Saporischschja am Morgen des 10. Oktober 2026 nach ukrainischen Angaben mit fünf Gleitbomben beschossen. Der Katastrophenschutz SES nannte am Abend 20 Tote, darunter drei Kinder, und 18 Verletzte; nach Reuters traf eine Bombe ein Wohnhaus, das teilweise einstürzte. Die Zahl ist ein Zwischenstand von 19:55 Uhr MESZ; die Suche nach Vermissten lief noch, die Angabe kann steigen. In Kiew fielen nach Angriffen auf Energieanlagen in der Region Strom und Wasser teilweise aus, die U-Bahn stand zeitweise still.
Am Morgen hatte der Mitvorsitzende des regionalen Verteidigungsrats, Iwan Fedorow, nach Ukrinform acht Tote und 16 Verletzte gemeldet; das Schicksal von zwölf Menschen sei offen gewesen. Danach nannte die Regionalverwaltung nach der Ukrajinska Prawda elf, später meldete der SES nach Radio Swoboda 17 Tote. Nach RFE/RL stand der Wert zuletzt bei 20 (Stand 18:40 Uhr MESZ). Innenminister Ihor Wyhiwskyj sagte nach dem Kyiv Independent, mehrere Menschen seien weiter nicht erreichbar; der SES zählte bis 18:15 Uhr Ortszeit drei Gerettete. Eine Frau war nach Angaben des Ministers mehr als acht Stunden verschüttet.
Nach dem Kyiv Independent wurden 26 Wohnhäuser beschädigt. Der amtierende Gouverneur des Gebiets, Mychajlo Semikin, sagte, bei einem Treffer sei ein Gebäudeteil bis auf das zweite Geschoss eingestürzt. Die geschäftsführende Bürgermeisterin Regina Charchenko sprach nach der BBC von mehr als 80 Einsatzkräften im Einsatz. Für den 11. Oktober ist in der Stadt ein Trauertag ausgerufen. Saporischschja hatte vor dem Krieg mehr als 700.000 Einwohner; die Stadt liegt nahe der Front und bleibt unter ukrainischer Kontrolle. Schon am 9. Oktober hatten Gleitbomben die Stadt getroffen, dabei starb nach regionalen Angaben mindestens ein Mensch.
Landesweit meldeten ukrainische Stellen für die vergangenen 24 Stunden nach dem Kyiv Independent mindestens 24 Tote und 47 Verletzte. Neben Saporischschja nannte die Zeitung je einen Toten im Gebiet Charkiw und Donezk sowie zwei im Gebiet Cherson, jeweils nach den Regionalbehörden. Die Luftwaffe zählte laut RFE/RL in der Nacht 160 Angriffsdrohnen, davon 110 düsengetriebene Shahed; bis 9 Uhr Ortszeit seien 117 abgeschossen oder gestört worden.
In Kiew meldete Bürgermeister Vitali Klitschko, die Stromversorgung der Hauptstadt habe sich nach Schäden an einer Energieanlage in der Region verschlechtert, die Wasserversorgung sei gestört. Das Energieministerium erklärte nach Censor.net, nach den Angriffen auf Energieanlagen in Kiew und Umgebung sei ein Teil der Region ohne Strom; die Reparaturtrupps würden beginnen, sobald es die Sicherheitslage erlaube. Der Versorger DTEK sprach von neuen großflächigen Ausfällen; planmäßige Abschaltungen waren nach dem Bericht zu diesem Zeitpunkt nicht in Kraft. Die Kyiv Post berichtet, die U-Bahn habe den Betrieb auf allen drei Linien eingestellt, auch Straßenbahnen und Oberleitungsbusse in mehreren Stadtteilen standen. Nach dem Kyiv Independent fuhr die U-Bahn am Nachmittag wieder, in größeren Abständen. Das Portal ukrmedia.news nennt das 330-Kilovolt-Umspannwerk Nowokyjiwska als Ziel; in den ausgewerteten Meldungen bestätigt keine Behörde diese Anlage. Der Netzbetreiber Ukrenerho kündigte für den 10. Oktober Verbrauchsbeschränkungen in einigen Regionen an, die nach Mezha alle Verbrauchergruppen betreffen und mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Energieanlagen begründet wurden.
Am Nachmittag folgte ein Raketenangriff auf Kiew. Klitschko meldete nach dem Kyiv Independent sieben Verletzte im Stadtteil Obolon, fünf davon im Krankenhaus, drei in ernstem Zustand. Die Einschlagstelle wird unterschiedlich beschrieben: Klitschko sprach nach RFE/RL von einer Bootsstation, Reuters von einem Restaurant.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte nach RFE/RL, seine Truppen hätten Energieanlagen getroffen, die der ukrainischen Rüstungsindustrie dienten, dazu Werkstätten zur Drohnenfertigung und Lager. Nach Reuters nannte es außerdem ein Datenverarbeitungszentrum in Kiew und ein Frachtschiff mit Militärgütern für den Hafen Odessa. Das sind Angaben einer Kriegspartei, unabhängig geprüft sind sie nicht. In den ausgewerteten Berichten fand sich keine russische Stellungnahme zu den Toten in Saporischschja. Moskau bestreitet nach der BBC, die Zivilbevölkerung anzugreifen; Kiew wirft Russland das wiederholt vor.
Selenskyj schrieb auf Telegram und X, Russland habe sich mit den Bomben auf Saporischschja für die Lockerung der Dieselsanktionen bedankt, die Trump am 9. Oktober angekündigt hatte. Er forderte andere Signale der USA, Europas und der Partner. Das ist die Deutung des ukrainischen Präsidenten, kein belegter Zusammenhang. Die Bundesregierung will nach RFE/RL trotz der Absprache weiter neue EU-Sanktionen gegen Russland verfolgen, so Regierungssprecher Stefan Kornelius. Die EU-Kommission teilte mit, die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen weiter senken zu wollen. Zu den Angriffen vom 10. Oktober ließ sich in den ausgewerteten Quellen keine eigene Erklärung der Vereinten Nationen finden. Das UN-Nothilfebüro OCHA veröffentlichte am 9. Oktober seinen Bericht an den Sicherheitsrat: Wiederholte Angriffe auf Wohnhäuser und die Strom- und Wasserversorgung belasteten die Zivilbevölkerung vor dem fünften Kriegswinter, die Konfliktparteien müssten Zivilisten und Infrastruktur schützen, so der Bericht von OCHA.
Der Angriff ist ein neuer Vorgang und von den bisherigen Texten zu trennen. Die Drohnentreffer auf Dnipro-Brücken beschreibt der Artikel zur Nordbrücke in Kiew, die ukrainischen Schläge auf russische Ölanlagen der Text zu den Raffinerien in Wolgograd und Samara, die Landfront bei Lyman und Slowjansk der Beitrag zu Operation Vivaldi. Nach Reuters war es der dritte Angriff mit vielen Toten in dieser Woche; bei den Angriffen am 7. und 8. Oktober starben demnach fast 80 Zivilisten, darunter mindestens 30 in Kramatorsk und 22 in Pryluky.