Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Selenskyj und Erdoğan wollen laut Anadolu am Getreidekorridor arbeiten

Die Türkei unterstützt nach Selenskyjs Worten Schritte für eine sichere Schifffahrt im Schwarzen Meer. Erdoğan verurteilt Angriffe auf zivile Schiffe und will auch mit Moskau sprechen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan haben sich nach Angaben der türkischen Staatsagentur Anadolu darauf verständigt, gemeinsam am Getreidekorridor im Schwarzen Meer zu arbeiten. Die Türkei unterstütze Schritte für eine sichere Schifffahrt und normale Lebensbedingungen in der Region, sagte Selenskyj laut Anadolu auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Samstag im Istanbuler Dolmabahçe-Palast. Nach Angaben der Zeitung Hürriyet nannte er als Ziel, den Korridor wieder wirksam arbeiten zu lassen; beide Seiten hätten zudem über mögliche Treffen in der Türkei gesprochen.

Erdoğan hatte Selenskyj zuvor mit offiziellem Zeremoniell empfangen. Nach einem Gespräch unter vier Augen berieten beide im Kreis ihrer Delegationen, teilte das türkische Kommunikationsdirektorat mit. Auf türkischer Seite nahmen Verteidigungsminister Yaşar Güler und Geheimdienstchef İbrahim Kalın teil, auf ukrainischer Seite Außenminister Andrij Sybiha und Rustem Umerow, den das Direktorat als Chef des Auslandsgeheimdienstes führt. Kommunikationsdirektor Burhanettin Duran hatte als Themen am Vortag die bilaterale Zusammenarbeit, den russisch-ukrainischen Krieg und die Sicherheit im Schwarzen Meer genannt.

Großer Teil der Gespräche galt dem Schwarzen Meer

Selenskyj sagte laut Hürriyet, die Gespräche hätten sich um konkrete Fragen gedreht, ein großer Teil sei dem Schwarzen Meer gewidmet gewesen. Russland verschärfe die Lage mit seiner seit 2014 andauernden Aggression. Schon nach der Landung hatte er auf X von wichtigen Fragen der Schifffahrt im Schwarzen Meer gesprochen. Die Erklärungen übertrug sein Telegram-Kanal ab 16.56 Uhr live.

Erdoğan sagte nach Angaben von Anadolu und Hürriyet, die Kämpfe hätten mit der jüngsten Eskalation auf das Schwarze Meer übergegriffen. Angriffe auf zivile Schiffe und Schritte, die die Lage dort weiter verschärften, nützten niemandem; sie seien nicht hinnehmbar, gleich von wem sie ausgingen. Ankara werde mit den Konfliktparteien weiter über die Wiederherstellung der Sicherheit der Schifffahrt sprechen. Für einen dauerhaften Frieden in der Ukraine sei eine Verständigung nötig; diese Frage wolle Ankara auch mit Russland besprechen, sagte Erdoğan laut der regierungsnahen Zeitung Sabah.

Ankara begrüßt Trumps Vorstoß

Ankara begrüße, dass die Bemühungen, den Krieg vor allem mit Hilfe von US-Präsident Donald Trump diplomatisch zu beenden, an Fahrt gewonnen hätten, sagte Erdoğan laut Anadolu und Hürriyet. Die Türkei sei bereit, alles zu tun, um den Weg zum Frieden zu öffnen. Türkische Unternehmen, die die Ukraine trotz des Kriegs nicht verlassen hätten, würden zum Wiederaufbau beitragen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Freitag erklärt, Selenskyj solle für ein Treffen mit Wladimir Putin nach Moskau kommen (Lawrow bestellt Selenskyj nach Moskau).