Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Mindestens 20.000 Bundeswehr-Soldaten stehen laut Sollfrank zur Verlegung bereit

Der Befehlshaber des Operativen Führungskommandos nennt einen russischen Angriff auf das Bündnisgebiet sehr realistisch. Die Verlegung soll vor dem ersten Schuss beginnen.

Die Bundeswehr würde bei Anzeichen eines russischen Angriffs auf das Bündnisgebiet nach Angaben von Generalleutnant Alexander Sollfrank mindestens 20.000 Soldaten in Marsch setzen. Die Kräfte stünden in sehr hoher Einsatzbereitschaft und würden auf dem Land-, Luft- und Seeweg in das Baltikum oder an die in den Verteidigungsplänen vorgesehenen Orte verlegt, sagte der Befehlshaber des Operativen Führungskommandos im Podcast Security Sunday von Politico. Zugleich werde Deutschland als Drehscheibe aktiviert, über die verbündete Truppen an die Bündnisgrenze verlegen.

Auslöser wären nach Sollfranks Darstellung Indikatoren und Warnsignale, die Bundeswehr, Nachrichtendienste und NATO-Partner ständig auswerten. Derzeit sehe er keine Angriffsvorbereitungen gegen das Bündnisgebiet, weil die russischen Streitkräfte im Schwerpunkt in der Ukraine gebunden seien; das könne sich aber sehr schnell ändern. Das Konzept ist Teil des Operationsplans Deutschland und soll nach seinen Worten einen Krieg verhindern, indem es Russland signalisiert, dass Deutschland vorbereitet ist.

Die Verlegung finde „noch vor dem ersten Schuss“ statt, sagte Sollfrank. Zur Kriegsgefahr sagte er: „Ein Angriff ist sehr, sehr realistisch.“ Eindeutig sei der Bündnisfall für ihn bei einem konventionellen Angriff mit Streitkräften etwa auf die baltischen Staaten, bei dem Raum genommen werde. Grenzfälle unterhalb dieser Schwelle müssten politisch und im Bündnis bewertet werden, etwa in Konsultationen nach Artikel 4 des NATO-Vertrags.

Unterhalb der Kriegsschwelle beobachte die Bundeswehr Spionage, Sabotage und Desinformation, sagte Sollfrank; die Sabotageversuche nähmen zu. Die Bundeswehr intensiviere ihre Drohnenabwehr und habe schnelle Reaktionseinheiten gebildet, die bereits in anderen europäischen Ländern im Einsatz gewesen seien.