Freitag, 9. Oktober 2026


Außenlage

Sicherheitspolitik

Ukrainische Drohnen treffen Treibstoffwerk, Yandex-Zentrum und Raffinerie Uchta

Gouverneur Koroljow bestätigt einen Brand in Redkino. Yandex spricht von ausgefallenen Modulen in Kaluga, Selenskyj reklamiert den Schlag auf Uchta.

In der Nacht zum 9. Oktober 2026 sind in Russland ein Chemiewerk im Gebiet Twer, ein Rechenzentrum des Internetkonzerns Yandex in Kaluga und am Morgen eine Lukoil-Raffinerie in Uchta in der Republik Komi angegriffen worden. Getroffen sind die Treibstoffkette für russische Marschflugkörper, die Server eines der größten russischen Konzerne und eine Ölverarbeitung, die der Barents Observer rund 1700 Kilometer von der Front verortet.

Der Gouverneur des Gebiets Twer, Witali Koroljow, schrieb nach der Komsomolskaja Prawda, infolge der Abwehr eines Drohnenangriffs sei auf einem Werk in Redkino ein Brand ausgebrochen. Die Beschäftigten seien rechtzeitig in einen Schutzraum gebracht worden, niemand sei verletzt, das Feuer gelöscht. Den Namen des Betriebs nannte er nicht. Der ukrainische Generalstab meldete nach Ukrinform einen Treffer auf das Forschungswerk Redkinski; es fertige Komponenten des Treibstoffs Decilin-M für die Marschflugkörper Ch-55 und Ch-101 sowie Additive für Diesel und Flugturbinenkraftstoff. RBC-Ukraine hatte den Angriff zunächst unter Berufung auf OSINT-Kanäle gemeldet; das Werk sei im Februar 2026 schon einmal angegriffen worden.

Yandex teilte Interfax mit, durch eine Drohnenattacke sei ein Teil der Infrastruktur des Rechenzentrums in Kaluga beschädigt, mehrere Module seien vollständig ausgefallen, einzelne Dienste könnten stocken. Niemand sei verletzt, das Ausmaß werde noch geprüft. Es ist nach dem Schlag auf das größte Yandex-Zentrum in Sassowo im Gebiet Rjasan am 8. Oktober der zweite Treffer in zwei Tagen, so RBC-Ukraine. Der Gouverneur des Gebiets Kaluga, Wladislaw Schapscha, sprach nach Meduza von neun Verletzten in der Gebietshauptstadt, fünf davon im Krankenhaus; welche Anlagen getroffen wurden, sagte er nicht. Die Kyiv Post gibt Schapscha mit 26 über der Region abgefangenen Drohnen wieder und mit Schäden an Infrastruktur und Privathäusern.

Nach Meduza hatte der Brand in Sassowo den Betrieb dort vorübergehend gestoppt. Ausfälle betrafen Yandex-Dienste sowie Seiten der Russischen Eisenbahnen, des Mobilfunkers MegaFon und mehrerer Medien.

Am Morgen berichteten Monitoring-Kanäle von einem Angriff auf die Lukoil-Raffinerie in Uchta. Der Barents Observer verweist auf Videos des Kanals Exilenova+ mit Bränden, Sirenen und Angriffsgeräuschen, die Anwohner aufgenommen haben sollen. Die Anlage verarbeite rund 4,2 Millionen Tonnen Öl im Jahr und sei mindestens zum dritten Mal seit Beginn des großflächigen Krieges Ziel, nach Schlägen im August 2025 und im Februar 2026. Das Ausmaß der Schäden ist unklar. In der Nacht zum 2. Oktober traf die Ukraine Ölanlagen in Wolgograd und Samara; Uchta liegt deutlich weiter nördlich.

Der Gouverneur der Republik Komi, Rostislaw Goldstein, bestätigte nach NEWS.ru eine Drohnenattacke auf Uchta, sprach aber von keinem Schaden an der städtischen Infrastruktur. Die Lage sei unter Kontrolle. Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija verhängte nach dem Barents Observer vorübergehende Beschränkungen für Starts und Landungen am Flughafen Uchta; Censor.NET nennt dafür etwa 8:30 Uhr. Die regionale Antiterror-Kommission erklärte laut Barents Observer, über Uchta würden Drohnen bekämpft, und untersagte den Einwohnern, Fotos und Videos der Folgen zu teilen.

Präsident Wolodymyr Selenskyj reklamierte den Schlag auf die Raffinerie in Uchta und auf ein weiteres Rechenzentrum. Nach Ukrinform schrieb er, das Ziel in Uchta liege 1900 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und sei von Drohnen des Typs An-196 RS getroffen worden, die rund 2500 Kilometer weit fliegen können. Den Treffer auf das Rechenzentrum nannte er „unsere spiegelbildliche Antwort“ auf russische Angriffe. Der Barents Observer gibt dieselbe Bestätigung für Uchta und Kaluga wieder.

Das russische Verteidigungsministerium sprach nach NTV von 505 in der Nacht abgeschossenen ukrainischen Drohnen, unter anderem über Kaluga, Twer und weiteren Regionen.