Montag, 12. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

EU-Staaten machen Weg für zwei Ukraine-Beitrittscluster frei

Alle Mitgliedstaaten stimmen der Eröffnung der Cluster 2 und 3 zu, die Regierungskonferenz folgt am Dienstag. Zuvor verabschiedete die Rada das von Ungarn verlangte Gesetz zu Minderheitensprachen; Selenskyj unterschrieb es noch am Montag.

Alle EU-Mitgliedstaaten haben der Eröffnung der Verhandlungscluster 2 und 3 für die Ukraine zugestimmt. Das bestätigte der irische Europaminister Thomas Byrne, dessen Land den EU-Ratsvorsitz führt, am späten Montagnachmittag auf X; die Zustimmung gilt auch für Moldau. Formell eröffnet werden die beiden Cluster zum Binnenmarkt sowie zu Wettbewerbsfähigkeit und inklusivem Wachstum erst auf einer Regierungskonferenz unter Byrnes Vorsitz; die Mitteilung des irischen Außenministeriums vom 12. Oktober nennt dafür den 12. und 13. Oktober, EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos schrieb auf X, man plane die Eröffnung am Dienstag. Den Weg frei machte die Werchowna Rada mit einem Gesetz über Unterricht in Minderheitensprachen, das Ungarn zur Bedingung gemacht hatte.

Die Werchowna Rada hat am Montag ein Gesetz verabschiedet, das Kindern aus nationalen Minderheiten und indigenen Völkern der Ukraine mehr Unterricht in ihrer Muttersprache neben dem Ukrainischen erlaubt. Nach dem Abstimmungsprotokoll des Parlaments stimmten um 13:46 Uhr Kiewer Zeit 266 Abgeordnete für das Gesetz, zwei dagegen, drei enthielten sich. Laut Gesetzeskarte der Rada kam es noch am selben Tag mit der Unterschrift von Präsident Wolodymyr Selenskyj zurück und trägt die Nummer 5008-IX. Vizepremier Wsewolod Tschenzow nennt es auf X ein Gesetz zur europäischen Integration und einen wichtigen Schritt zum EU-Beitritt.

Das Gesetz geht auf einen Entwurf zurück, den Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk mit weiteren Abgeordneten am 1. Oktober eingebracht hatte. Nach einer Mitteilung des Rada-Presseservice vom 6. Oktober erlaubt es, Sprachen von Minderheiten, die Amtssprachen der EU sind, sowie die Sprachen indigener Völker neben dem Ukrainischen im Unterricht und im Schulalltag zu verwenden. Schulen können den Status einer Minderheitenschule erhalten; nach Beratungen im Ausschuss setzt das voraus, dass mindestens die Hälfte der Schüler in der jeweiligen Sprache lernt, ursprünglich hätte eine einzige Klasse genügt. Prüfungsaufgaben der externen Leistungsmessung und Aufnahmeprüfungen können auf Wunsch übersetzt werden.

Tschenzow, in Kiew für die europäische Integration zuständig, hatte schon am 7. Oktober nach einem Beschluss der EU-Botschafter auf X geschrieben, die formelle Eröffnung der Cluster 2 und 3 auf der Regierungskonferenz am 13. Oktober rücke näher. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos schrieb nach der Abstimmung auf X, man plane, am Dienstag zwei weitere Verhandlungscluster zu eröffnen.

Ungarns Außenministerin Anita Orbán sagte am Montagvormittag in Luxemburg vor dem Treffen der EU-Außenminister nach dem Bericht von Euronews vom 12. Oktober, man warte auf Nachrichten aus Kiew; das Gesetz löse die Probleme der Minderheit in Transkarpatien bei Bildung und Minderheitenrechten. Nach der Verabschiedung will Budapest die Umsetzung in einer Bildungs-Untergruppe des zwischenstaatlichen Wirtschaftsausschusses gemeinsam mit Vertretern der Minderheitenorganisationen aus Transkarpatien überwachen. „Es ist wichtig, dass alles, was wir ausgehandelt haben, auch umgesetzt wird“, sagte sie demnach. Interfax-Ukraine gibt sie am selben Tag mit den Worten wieder, das Gesetz sei Bedingung für die nächsten Cluster gewesen; werde es verabschiedet, könne Ungarn die Eröffnung des zweiten und dritten Clusters zulassen. Eine eigene Erklärung des ungarischen Außenministeriums zur Abstimmung lag bis zum Abend nicht vor.

Die Ukraine hatte im Juni den ersten und im Juli den sechsten Cluster eröffnet, so die irische Mitteilung. Nach dem Kyiv Independent vom 12. Oktober hatten Kiew und Budapest im Frühsommer eine Vereinbarung über die Rechte der ungarischen Minderheit geschlossen; Ungarn habe weitere Cluster danach blockiert, bis Kiew mit der Umsetzung beginne. Außenminister Andrij Sybiha unterrichtete Orbán nach einem Gespräch in Luxemburg über die Abstimmung, wie die Ukrajinska Prawda am 12. Oktober unter Berufung auf seinen Beitrag auf X berichtet; er erwarte, dass die EU am Dienstag offiziell über die Eröffnung entscheide.