Kreml schweigt zu Trumps Energie-Waffenruhe
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Am ersten Tag meldet Selenskyj Treffer an Kraftwerken in Kyjiw und Charkiw. Brüssel, Paris, London und Ottawa stellen sich hinter die Feuerpause, sieben US-Senatoren greifen zugleich Trumps Diesel-Geschäft mit Russland an.
GeopolitikMoskau hat die Energie-Waffenruhe, die US-Präsident Donald Trump am Sonntag verkündet hat, bis Montagmorgen nicht bestätigt. Auf der Nachrichtenseite des Kreml steht für den 11. Oktober nur ein Glückwunsch zum Tag der Landwirtschaft, keine Erklärung zu einer Feuerpause. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb dagegen am Sonntagabend in seinem Telegram-Kanal, Russland habe kurz vor seinem Telefonat mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Kraftwerk in Kyjiw mit einer Schahed-Drohne getroffen, in vielen Stadtteilen sei der Strom ausgefallen; später habe es Schläge gegen Energieanlagen in der Region Charkiw gegeben, nach Trumps Erklärung.
Die einzige Äußerung von Kremlsprecher Dmitri Peskow vom Sonntag berührt die Waffenruhe nicht. Russland bleibe offen für Verhandlungen, sagte er RIA Nowosti am 11. Oktober; ob Wahlen in der Ukraine eine Bedingung Moskaus seien, dazu habe der Präsident noch nichts gesagt. Die Meldung erschien um 17.08 Uhr Moskauer Zeit, also vor Trumps Beitrag, den unser Bericht vom Sonntagabend auf 16.16 Uhr MESZ datiert. Mitte September hatte Peskow eine ähnliche Ankündigung Trumps noch eine gute Initiative genannt und auf die Aufhebung von Sanktionen verwiesen, wie die Agentur APA am 15. September berichtete; Russland setzte seine Angriffe danach fort, wie Radio Free Europe/Radio Liberty am 11. Oktober schreibt.
Die Zeitfolge in Kyjiw ist enger, als Selenskyjs Satz nahelegt. Der Netzbetreiber Ukrenerho meldete den Angriff auf ein Energieobjekt in der Hauptstadt und großflächige Ausfälle in seinem Kanal um 15.26 Uhr MESZ, also vor Trumps Beitrag. Nach der Ankündigung liegt damit der Treffer am Heizkraftwerk Nr. 5 in Charkiw, den Selenskyj in seiner Abendansprache meldete, wie Ukrajinska Prawda am 11. Oktober wiedergibt. Beides ist die Darstellung einer Kriegspartei; unabhängig bestätigt ist der Schaden nicht. Wie Trumps Ankündigung zustande kam und dass Kiew von ihr überrascht wurde, steht im Bericht zu Selenskyjs Wahlangebot.
Kiew stützt die Feuerpause, verlangt aber eine Antwort aus Moskau. Nach einem Gespräch mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney schrieb Selenskyj in einem weiteren Telegram-Beitrag, die Ukraine unterstütze den Schritt; nun müsse Russland dem amerikanischen Präsidenten sagen, ob es die Schläge gegen die ukrainische Energie einstelle. Außenminister Andrij Sybiha warf Moskau nach dem SZ-Newsblog vom 12. Oktober auf X vor, die Waffenruhe unmittelbar nach ihrem Inkrafttreten gebrochen zu haben; er habe Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) darüber unterrichtet.
Die Verbündeten unterstützen die Feuerpause, aber nicht alle mit denselben Worten. Carney dankte Trump laut der Mitteilung seines Amtes für die Waffenruhe, sagte Kanadas Unterstützung zu und schloss sich Selenskyjs Forderung an, Russland solle sie einhalten; im Gespräch mit Selenskyj nannte er das amerikanisch-russische Diesel-Abkommen einen Widerspruch zu den Bemühungen um Frieden in Europa. Präsident Emmanuel Macron schrieb auf X, Frankreich unterstütze „sans réserve l’appel à une vraie trêve énergétique“; Russland verweigere sie, indem es seine Schläge in den letzten Stunden noch verstärke, so die Agentur Anadolu am 11. Oktober. Der britische Premierminister Andy Burnham sagte nach PA Media vom 11. Oktober, Großbritannien unterstütze Trumps Aufruf zu einer dauerhaften Energie-Waffenruhe, die jetzt beginnen solle; die Ukraine sei bereit, wenn Russland seine Angriffe einstelle.
Von der Leyen und Wadephul äußerten sich weiter gefasst. Die Kommissionspräsidentin unterstützte laut der Mitteilung der EU-Kommission vom 11. Oktober Selenskyjs Ruf nach einer Feuerpause, die die globale Lebensmittelversorgung und die Energieinfrastruktur in der Ukraine und in Russland schütze, und sicherte ihm ihre volle Unterstützung zu; Trump nennt die Mitteilung nicht. Wadephul sagte nach AFP vom 11. Oktober in Berlin, Deutschland unterstütze Selenskyj weiter voll, Europa brauche Stabilität und bleibe an der Seite der Ukraine und ihrer Regierung. Das war die Antwort auf Trumps Forderung vom Samstag nach einem neuen ukrainischen Präsidenten, nicht ausdrücklich auf die Waffenruhe.
In Washington wächst unterdessen der Widerstand gegen das Diesel-Geschäft, das Trump zwei Tage vor der Waffenruhe angekündigt hatte. Sieben Senatoren, die Republikaner Susan Collins, Lisa Murkowski, Thom Tillis und John Curtis sowie die Demokraten Jeanne Shaheen, Richard Blumenthal und Ron Wyden, erklärten am Sonntag in einer gemeinsamen Mitteilung, die Zulassung russischer Diesel-Importe widerspreche dem Einfuhrverbot, das der Kongress 2022 beschlossen hat; die Regierung habe den Kongress nicht konsultiert und keine gesetzlich verlangte Begründung vorgelegt. Sie fordern, die Entscheidung sofort zurückzunehmen. Es ist eine Erklärung, kein Brief an das Weiße Haus.
Offen sind eine Äußerung des Kreml, der Beginn und die Reichweite der Waffenruhe und die Frage, wer sie überwacht. Stand ist Montag, der 12. Oktober 2026, früher Morgen.