Nowak bestätigt Drohnenangriffe auf drei russische Raffinerien
https://www.aussenlage.de/artikel/ukrainische-drohnen-treffen-laut-fire-point-raffinerie-nowokuibyschewsk
Ein Werk sei leicht beschädigt worden, sagt der russische Vizepremier, ohne die Anlagen zu nennen. Zuvor hatte der Hersteller Fire Point Treffer auf die Raffinerie Nowokuibyschewsk gemeldet.
GeopolitikRusslands Vizepremier Alexander Nowak hat ukrainische Angriffe auf drei Ölraffinerien und einen Gaschemie-Komplex am Freitag bestätigt. Auf die Frage, ob eine Raffinerie im Gebiet Samara angegriffen worden sei, sagte Nowak nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax vor Journalisten, es habe an diesem Tag Angriffe auf russische Raffinerien gegeben. Ein Werk sei leicht beschädigt worden, insgesamt habe die Luftabwehr funktioniert. Welche Anlagen betroffen waren, sagte er nach den Berichten von Interfax und RIA Nowosti nicht.
Nach einer Pause seien die Angriffe nun wieder aufgenommen worden, die Unternehmen arbeiteten an ihrem Schutz, sagte Nowak laut Interfax. Die Ausfuhr von Diesel könne wegen der Drohnenangriffe auf Raffinerien geringer ausfallen als geplant, sagte er nach Angaben von TASS; für Oktober habe die Regierung den Export von 510.000 Tonnen genehmigt. Putins Berater Juri Uschakow warf Kyjiw laut RIA Nowosti vor, sich mit den Angriffen erneut über US-Präsident Donald Trump hinwegzusetzen, und machte die Unterstützung Europas dafür verantwortlich.
Von ukrainischer Seite gab es laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters keinen Kommentar. Der ukrainische Generalstab erwähnte die Angriffe in seinen Meldungen auf Telegram bis zum Nachmittag nicht. Trump macht nach dem Reuters-Bericht die Angriffe auf Raffinerien für höhere Dieselpreise vor den Zwischenwahlen in der kommenden Woche verantwortlich.
Fire Point meldet Treffer
Ukrainische Streitkräfte haben die Ölraffinerie Nowokuibyschewsk im russischen Gebiet Samara nach Angaben des Drohnenherstellers Fire Point mit Langstreckendrohnen vom Typ FP-1 angegriffen. Auf dem Werksgelände seien mehrere Treffer verzeichnet worden, unter anderem an einer Anlage zur Hydrierung von Dieselkraftstoff, teilte das Unternehmen am Freitag um 9.03 Uhr MEZ auf X mit. Die Raffinerie hat demnach eine Verarbeitungskapazität von rund 8,8 Millionen Tonnen Öl im Jahr. Der ukrainische Generalstab erwähnte den Angriff in seinen Meldungen auf Telegram bis zum Mittag nicht.
Über den Angriff hatten zuvor der Kyiv Independent um 7.01 Uhr MEZ und die Kyiv Post um 7.21 Uhr MEZ berichtet. Der Kyiv Independent stützt sich auf Fotos und Videos von Anwohnern, die der ukrainische Beobachterkanal Exilenova+ veröffentlichte und die nach Angaben des Blattes großflächige Brände in der Nähe der Raffinerie zeigen. Die Kyiv Post beruft sich auf das unabhängige russische Portal Astra, dessen Analyst den Brandort anhand von Leserfotos als die Raffinerie identifizierte. Samaras Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew erklärte nach dem Bericht des Kyiv Independent, die Region wehre einen Angriff der ukrainischen Streitkräfte ab, Luftabwehr und mobile Feuergruppen seien im Einsatz. Welche Objekte getroffen wurden, sagte er nicht. Der Kyiv Independent konnte die Aufnahmen nach eigenen Angaben nicht unabhängig überprüfen.
Trotz Bericht über stille Pause
Der Angriff folgt auf einen Bericht des Wall Street Journal vom 29. Oktober, wonach ukrainische Einheiten für Langstreckenschläge ihre Angriffe auf russische Raffinerien auf Druck der Regierung von US-Präsident Donald Trump informell ausgesetzt hätten. Die Pause sollte nach dem Bericht, den der Kyiv Independent zusammenfasst, bis nach den Zwischenwahlen in den USA am 3. November andauern. Der Kyiv Independent spricht von einer inoffiziellen Pause, die Mitte Oktober begonnen habe. Mitte Oktober hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Angriffen auf die Raffinerie Rjasan erklärt, die Schläge großer Reichweite gingen weiter (unser Bericht).
Nach Zählung der Kyiv Post ist es der erste bekannt gewordene Angriff auf eine russische Raffinerie seit fast zwei Wochen; zuletzt waren am 15. Oktober die Raffinerie Rjasan und am 16. Oktober eine Industrieanlage in Surgut getroffen worden. Die Raffinerie Nowokuibyschewsk gehört seit 2007 zum Staatskonzern Rosneft und stellt nach Angaben des Blattes unter anderem Benzin, Diesel und Kerosin für die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte her. Sie war zuletzt am 22. August angegriffen worden.
In derselben Nacht flogen nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin zwischen 20.30 Uhr am Donnerstag und 7.30 Uhr am Freitag Moskauer Zeit 862 Drohnen in Richtung der Hauptstadtregion. Der Großteil sei weit vor der Stadt abgeschossen worden, 170 Drohnen im Anflug auf Moskau, schrieb er auf Telegram. Unabhängig überprüfen lässt sich die Zahl nicht. Die vier großen Moskauer Flughäfen schränkten nach Angaben der Kyiv Post zeitweise Starts und Landungen ein.