USA sprechen laut Reuters direkt mit Myanmars Militärregierung
Das US-Außenministerium bestätigt Kontakte und die Freilassung eines US-Geschäftsmanns, äußert sich aber nicht zur Rolle seines Nachrichtendienstchefs. Die Sanktionen gegen Juntachef Min Aung Hlaing gelten fort; eine Lockerung ist nicht bekannt.
Die US-Regierung hat nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 8. Oktober 2026 direkte Gespräche mit der vom Militär eingesetzten Regierung Myanmars aufgenommen. Die Agentur beruft sich auf sieben aktuelle und frühere Regierungsvertreter sowie weitere Eingeweihte. Danach nahm Michael Vance, der im Außenministerium für Nachrichtendienst und Forschung zuständige Assistant Secretary, am 15. und 16. September in der Hauptstadt Naypyidaw an Gesprächen mit Präsident Min Aung Hlaing teil, dem früheren Putschführer. Anlass war die Freilassung des US-Geschäftsmanns Adam Castillo; vier der Quellen sagten Reuters, das Treffen habe zugleich den Weg zu weiterem Austausch geöffnet. Betroffen sind die Opposition und die ethnischen Armeen, die gegen das Militär kämpfen, sowie die Frage, wie Washington mit einem weiter sanktionierten Machthaber umgeht.
Das US-Außenministerium sagte laut dem Reuters-Text, es stehe mit allen Gruppen in Myanmar in Kontakt, soweit US-Interessen berührt seien, und dränge auf ein Ende der Gewalt und die Freilassung politischer Gefangener. Sprecher Tommy Pigott ließ sich mit den Worten zitieren: „You don’t solve problems by ignoring them. You solve problems by addressing them.“ Zu Vances Rolle äußerte er sich laut Reuters nicht; die Regierung arbeite als Team mit dem Präsidenten an der Spitze. Ein Sprecher der myanmarischen Regierung beantwortete eine Anfrage der Agentur nicht. Zu Vances Funktion, den Themen und dem weiteren Kurs liegt damit keine eigene Bestätigung des Ministeriums vor.
Für den September-Besuch selbst gibt es eine Bestätigung. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte nach einem CNN-Bericht vom 17. September, eine US-Delegation habe am Dienstag in Naypyidaw Vertreter der Regierung getroffen und die Freilassung Castillos erreicht. Wer zur Delegation gehörte und wen sie traf, nannte er nicht. Castillo, ehemals Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Myanmar, war am 11. Juni am Flughafen von Yangon festgenommen worden. Myanmar erklärte nach CNN, er sei abgeschoben worden, um freundschaftliche bilaterale Beziehungen zu wahren. Der Asien-Berater der Crisis Group, Richard Horsey, sah darin eine diplomatische Geste, die Min Aung Hlaing nichts koste.
Nach Reuters war der Besuch im September nicht der erste Kontakt. Vier Personen nannten ein Treffen im Juni in Tokio, ebenfalls mit Vance; dabei seien auch Vertreter des Finanzministeriums, des Heimatschutzministeriums und des Pentagons gewesen. Wer Myanmar vertrat, sei unklar. Hauptziel der US-Seite sei Hilfe gegen Betrugszentren in Myanmar, von denen aus Opfer mit romantischen und anderen Betrügereien getäuscht werden. Zwei Personen sagten Reuters, die Bundespolizei FBI habe direkten Kontakt zu myanmarischen Behörden in Cyberbetrugsfällen. Forscher zweifeln der Agentur zufolge am Durchsetzungswillen, weil viele Zentren in Gebieten von Milizen liegen und Erlöse teils an das Militär fließen sollen.
Darüber hinaus sprachen US-Vertreter nach dem Reuters-Bericht über den Zugang zu Myanmars Vorkommen schwerer Seltener Erden. Die Agentur nennt die Hürden: Die Lagerstätten befinden sich überwiegend in Gebieten, die ethnische Armeen halten, und China, derzeit Hauptabnehmer, könnte eine US-Rolle als Herausforderung sehen. Vor dem Hintergrund, Lieferketten von China zu lösen, bleibe das Thema in den Gesprächen wiederkehrend. Wie ein anderer Streit um chinesische Seltene Erden verläuft, beschreibt der Artikel EU sieht Einigung mit China.
Min Aung Hlaing steht weiter auf der Sanktionsliste. Das US-Finanzministerium hatte ihn nach eigener Mitteilung am 10. Dezember 2019 nach der Executive Order 13818 wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen unter seinem Kommando sanktioniert. Am 11. Februar 2021, zehn Tage nach dem Putsch, nahm die Behörde OFAC ihn mit einer neuen Executive Order als Führer des Militärs erneut auf; die Order sperrt Vermögen in den USA und untersagt US-Personen im Regelfall Geschäfte mit den Gelisteten. Reuters erinnert daran, dass Washington die Massentötungen und Vertreibungen von Hunderttausenden Rohingya 2016 und 2017 als Völkermord eingestuft hat und dass die Regierung Biden nach dem Putsch Myanmars Guthaben bei der Federal Reserve Bank of New York einfror. Im Juli 2025 hob Washington nach CNN bereits Sanktionen gegen Verbündete der Junta und deren Firmen auf. Eine Lockerung der Sanktionen gegen Min Aung Hlaing selbst nennen weder Reuters noch das Außenministerium.
Kritik kommt aus dem Kongress. Gregory Meeks, ranghöchster Demokrat im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, nannte den Kurs gegenüber Reuters „contrary to both our values and our interests“. Er warf Außenminister Marco Rubio vor, vom Kongress vorgeschriebene Sanktionen nicht umzusetzen und Demokratiehilfe nicht einzusetzen. Reuters berichtet, die meisten Programme zur Unterstützung der Opposition seien im Zuge der Neuordnung der US-Auslandshilfe im vergangenen Jahr gestrichen worden. Weniger als zwei Wochen nach Vances Besuch tötete ein Luftangriff des Militärs auf einen belebten Markt im Bundesstaat Rakhine nach Angaben von UN-Menschenrechtsvertretern mehr als 50 Menschen. Myanmars Regierung hat in Washington Lobbyisten angeheuert; laut Reuters berät seit April der Trump-Vertraute Roger Stone für die Agentur DCI Group im Auftrag des myanmarischen Informationsministeriums.
Die Regierung, mit der Washington nun spricht, geht auf eine Wahl zurück, die Menschenrechtsgruppen und westliche Staaten nach CNA als Scheinwahl kritisierten; gewählt wurde laut The Diplomat im Dezember und Januar. Am 3. April wählte das Parlament, in dem 166 von 586 Mitgliedern Militärvertreter sind, Min Aung Hlaing nach Angaben der Eleven Media Group mit 429 Stimmen zum Präsidenten; auf die beiden anderen Bewerber entfielen 126 und 29. Nach Reuters sucht er internationale Legitimität für seine nominell zivile Regierung. Die Opposition in Gestalt der Regierung der Nationalen Einheit (NUG) hat sich zu dem Reuters-Bericht in den geprüften Quellen nicht geäußert. Ihre Außenministerin Zin Mar Aung forderte im Juli in Washington nach DVB, die USA sollten gegen Betrugszentren direkt mit den Widerstandskräften zusammenarbeiten. US-Gruppen wie die U.S. Campaign for Burma verurteilten damals die berichteten Gespräche in Tokio.
Auch in der Region verschieben sich die Positionen. Malaysias Premier Anwar Ibrahim sagte am 8. Oktober nach einem Treffen mit Min Aung Hlaing, Malaysia werde tun, was möglich sei, um Myanmar in die ASEAN zurückzuführen. Die ASEAN schließt Min Aung Hlaing und andere hohe Vertreter weiter von ihren Gipfeln aus, solange der Fünf-Punkte-Konsens zur Beendigung der Gewalt nicht umgesetzt ist, so CNA. Peking stützt Naypyidaw offen: Nach dem China-Global South Project sprach sich Xi Jinping bei Min Aung Hlaings Besuch im Juni für dessen volle Teilnahme an allen ASEAN-Prozessen aus. Eine chinesische Reaktion auf die US-Gespräche fand sich nicht. Die EU verlängerte ihre Sanktionen gegen Myanmar im April bis zum 30. April 2027 und kündigte nach The Diplomat an, direkte Finanzhilfe an die Verwaltung zurückzuhalten; eine Stellungnahme zum US-Kurs liegt nicht vor.
Offen bleibt, was beide Seiten voneinander erwarten. Eine Vereinbarung über Betrugszentren, Seltene Erden oder Sanktionen ist nicht bekannt; Reuters spricht von Gesprächen und einer möglichen Ausweitung. Der Bericht stützt sich auf ungenannte Quellen und lässt sich vom Außenministerium nur teilweise bestätigen. Der Myanmar Business Journal hält fest, dass ein Treffen Sanktionen nicht aufhebe; dafür brauche es förmliche Rechtsakte.