Mittwoch, 21. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Deutschland

AfD-Leck reicht laut heise bis in den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern

Die Partei hatte am Dienstag eingeräumt, dass trotz weniger kopierter Postfächer große Datenmengen abgeflossen seien. Unter den zehn Mailboxen sind nach Auswertung des IT-Portals die des Bundesschiedsgerichts und der Bundesgeschäftsstelle.

Die im Netz veröffentlichten Daten aus der AfD reichen nach einer Auswertung von heise online bis Anfang September und damit in den Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Zu den betroffenen Postfächern zählt nach dem Bericht vom 20. Oktober offenbar das des dortigen AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm. Die Partei selbst hatte in einer Erklärung vom selben Tag eingeräumt, dass trotz weniger kopierter Postfächer große Datenmengen abgeflossen seien.

Heise zählt in dem 280 Gigabyte großen Datensatz etwa 420.000 Mails aus zehn Mailboxen, darunter die des Bundesschiedsgerichts, der Bundesgeschäftsstelle und mehrerer prominenter Mitglieder. Hinzu kommen nach Angaben des Portals gut 41.000 PDF-Dateien, 3.480 docx-Dateien und mehrere Abzüge von SQL-Datenbanken. Herkunft seien offenbar mehrere Web- und mindestens ein Mailserver.

Anfangs hatte die AfD von überwiegend alten, nicht mehr genutzten Postfächern gesprochen. In ihrer späteren Erklärung vom 20. Oktober schrieb die Bundespartei: „Obwohl nur wenige Mail-Postfächer widerrechtlich kopiert wurden, sind große Datenmengen abgeflossen.“ Man stehe in engem Austausch mit den Sicherheitsbehörden. Die Daten bis Anfang September widersprechen nach Einschätzung von heise der Darstellung, vor allem alte Postfächer seien betroffen.

Mehrere Medienhäuser haben die Daten inzwischen gesichert, darunter der SPIEGEL, wie das Blatt in seiner „Lage am Morgen“ vom 21. Oktober schreibt. Darunter seien persönliche Informationen von Mitgliedern und Bundestagsabgeordneten. Besonders heikel könnten nach Einschätzung des SPIEGEL Schriftwechsel zu Parteiausschlussverfahren und Ordnungsmaßnahmen sein; ein Teil der Daten betreffe Parteichefin Alice Weidel, etwa Spenden an sie. „Die Auswertung wird Zeit brauchen“, sagte die SPIEGEL-Redakteurin Ann-Katrin Müller.

Die Angreifer treten anonym auf. Mirko Ross vom IT-Sicherheitsdienstleister Asvin sagte heise: „Das sieht für mich nicht nach einem Innentäter, sondern nach Hacktivismus aus.“ Nach einem angeblichen Statement der Angreifer, das heise aus einem Telegram-Kanal zitiert, seien sie über eine „veraltete Website“ in die Systeme gelangt. Den gesamten Datensatz stellten sie per Bittorrent ins Netz und bereiteten ihn zusätzlich auf einer Website durchsuchbar auf.

In derselben Erklärung hatte die Partei mitgeteilt, den Angriff und die Veröffentlichung der Daten angezeigt zu haben, wie Außenlage berichtete.