Montag, 19. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Netanjahu erlaubt Präventivschläge in neuer Doktrin

Die Mitteilung des Premierbüros nennt nur Grundzüge der Sicherheitsstrategie. Einen Angriff auf Iran notfalls ohne die USA und den Auftrag, das Regime zu stürzen, kennt man bisher nur aus Medienberichten über seine Präsentation.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am 18. Oktober 2026 eine neue nationale Sicherheitsdoktrin veröffentlicht. Sie gibt Prävention und Angriff Vorrang vor Eindämmung und Verteidigung, einschließlich präventiver Schläge gegen sich entwickelnde Bedrohungen, teilte das Premierbüro um 18.21 Uhr MESZ mit. Einen Volltext der Doktrin enthalten die Mitteilungen des Büros nicht. Weitergehende Aussagen kennt man bisher nur aus Medienberichten über Netanjahus Präsentation in Jerusalem.

Zu den Grundsätzen gehören nach der Mitteilung außerdem ein stärkerer Schutz der Heimatfront, Israels Rolle als Regionalmacht, größtmögliche Unabhängigkeit bei Munition, technologische Überlegenheit und neue Bündnisse in der Region und darüber hinaus. Ausgearbeitet wurde die Doktrin mit dem Nationalen Sicherheitsrat unter seinem Leiter Schmuel Ben Esra.

Nach einem Bericht von Israel Hayom vom 18. Oktober sagte Netanjahu, Israel sei bereit, Iran auch ohne Hilfe der USA präventiv anzugreifen; seine Ziele hingen nicht von amerikanischer Zustimmung ab. Ein atomar bewaffnetes Iran sei die größte Bedrohung. Den Sturz des Regimes in Teheran habe er allen Sicherheitsbehörden als Auftrag vorgegeben, 90 Prozent der Arbeit seien erledigt. Laut dem Blatt ließ er erkennen, dass der Sturz womöglich schon vor der Parlamentswahl am 27. Oktober kommen könnte. Als weitere Bedrohungen nannte er demnach Drohnen, Präzisionsraketen und Cyberangriffe.

Die Jerusalem Post berichtet, Netanjahu habe gewarnt, nach dem Ende von Donald Trumps Amtszeit in zwei Jahren könne Israel einem feindseligen US-Präsidenten gegenüberstehen. Er arbeite deshalb an Bündnissen mit Staaten in und außerhalb der Region, etwa Indien. Einen palästinensischen Staat schloss er laut dem Blatt auch bei künftigen Normalisierungsabkommen aus.

Die Präsentation fiel in den Wahlkampf, die Knesset wird am 27. Oktober neu gewählt. Zur israelischen Politik in Gaza siehe unser früherer Bericht, zu den Bedingungen Irans für Hormus diesen Bericht.