Revolutionsgarde verweist drohend auf Seekabel unter Hormus
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Ein Sprecher der Garde erinnert den Gegner an sieben Leitungen, nennt aber weder Kabel noch Betreiber. Vom US-Zentralkommando, dem Außenministerium in Washington und den Staatsagenturen am Golf liegt bis zum Abend keine Reaktion vor.
GeopolitikDie iranische Revolutionsgarde hat am Montagabend öffentlich auf die Unterseekabel in der Straße von Hormus verwiesen. Ein Sprecher der Garde erklärte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Fars von 21.01 Uhr, unter der Meerenge verliefen sieben große Kabel, von denen sämtliche Internet- und Handelsdaten der Welt abhingen. Man erinnere daran, damit der Feind es wisse. Welche Kabel gemeint sind, wem sie gehören und was Iran mit ihnen vorhat, sagt die Meldung nicht. Eine ausdrückliche Drohung, Leitungen zu beschädigen, enthält sie ebenfalls nicht.
Fars nennt den Namen des Sprechers nicht. Nach Iran International, einem persischsprachigen Sender mit Sitz in London, stammt die Äußerung von Garde-Sprecher Hossein Mohebbi. Schon am frühen Abend hatte Fars um 18.41 Uhr eine andere Aussage des Sprechers verbreitet: In einer neuen Phase des Krieges würden neue Waffen und neue Ziele vorgestellt, am Ende werde Iran die Reste amerikanischer Macht aus der Region fegen. Ob beide Äußerungen aus demselben Auftritt stammen, geht aus den Meldungen nicht hervor.
Die Zahl sieben lässt sich nicht nachvollziehen. Das Marktforschungsunternehmen TeleGeography führt in einer Analyse vom März drei aktive Systeme auf, die die Meerenge queren: AAE-1, FALCON und das Gulf Bridge International Cable System. Auch die behauptete weltweite Abhängigkeit deckt sich nicht mit dieser Einschätzung. Der Datenverkehr zwischen Europa und Asien läuft danach durch das Rote Meer, mindestens rund 900 Meilen von Hormus entfernt; betroffen wären vor allem die Golfstaaten. Diese verfügen laut TeleGeography zwar über Landverbindungen in Nachbarländer, deren Kapazität reiche aber womöglich nicht aus, um den gesamten Verkehr umzuleiten. Saudi-Arabien bezieht den Großteil seiner internationalen Bandbreite über Kabel am Roten Meer.
Wie nah die Leitungen an iranischem Gebiet liegen, ist nicht eindeutig. TeleGeography schreibt, alle Kabel seien in omanischen Gewässern verlegt worden. Nach Ars Technica sagte TeleGeography-Forschungsdirektor Alan Mauldin dagegen dem Sender CNN, FALCON und Gulf Bridge verliefen streckenweise durch iranische Hoheitsgewässer. Als größtes Risiko gelten ohnehin weniger gezielte Angriffe als ausbleibende Reparaturen: Reparaturschiffe meiden die Meerenge laut Ars Technica seit Beginn des Krieges. Nach TeleGeography hatte der für den Golf zuständige Wartungsdienstleister e-Marine im März nur eines seiner fünf Schiffe innerhalb des Golfs liegen.
Die Garde greift damit ein Thema auf, das Teheran seit Monaten bespielt. Im Mai hatte Militärsprecher Ebrahim Zolfaghari angekündigt, Iran werde Gebühren für Internetkabel erheben; die staatsnahen Agenturen Tasnim und Fars skizzierten danach Lizenzgebühren für Meta, Google, Amazon und Microsoft sowie ein iranisches Monopol auf Reparatur und Wartung, berichtet Ars Technica unter Berufung auf den Guardian. Am 11. Oktober drohte der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei, für den Fall eines neuen Krieges mit Angriffen auf Kabel, Rechenzentren und KI-Anlagen in der Region, wie wir über seine Bewertung der US-Antwort zu Hormus berichteten.
Reaktionen auf die neue Äußerung liegen bislang nicht vor. Vom US-Zentralkommando, dem Außenministerium in Washington und den staatlichen Nachrichtenagenturen der Golfstaaten fand sich bis 21.30 Uhr keine Stellungnahme. Ob sich die Betreiber der Kabelsysteme geäußert haben, ist offen.