Samstag, 10. Oktober 2026


Außenlage

Geopolitik

Kreml vertagt die Dreiergespräche zur Ukraine und verweist auf Drohnenangriffe am Wahltag

Die Darstellung stammt vom Kreml; in den geprüften Berichten bestätigt Washington sie nicht. Ein Termin für eine neue Runde steht nicht fest.

Der Kreml-Berater Juri Uschakow hat nach dem Telefonat zwischen Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump vom späten Abend des 9. Oktober 2026 erklärt, ukrainische Drohnenangriffe am Hauptwahltag der Duma-Wahl hätten die Möglichkeit zunichtegemacht, die Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA sofort wieder aufzunehmen. Moskau werde nun überlegen, wann die Verhandlungen wieder möglich seien. So steht es in Uschakows Kommentar auf kremlin.ru, den TASS zusammenfasst. Ein Datum nennt die russische Seite nicht.

Betroffen ist vor allem Kiew, das auf ein Dreiertreffen noch im Oktober gesetzt hatte. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte nach Al Jazeera in dieser Woche gesagt, die Ukraine sei zu Dreiergesprächen mit den USA und Russland in diesem Monat bereit. Sein Verhandlungsteam traf am Freitag in Miami die Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner; woher Selenskyjs Erwartung eines Dreiertreffens stammt, steht im früheren Bericht.

Nach Uschakows Schilderung sprach Putin in dem anderthalbstündigen Gespräch ausführlich über Russlands Antwort auf ukrainische Angriffe, die Moskau als Terror bezeichnet. Die russische Position zu den Kriegszielen sei unverändert, ebenso die Bereitschaft zu einer politisch-diplomatischen Beilegung. Im vorigen Telefonat der Präsidenten sei erwogen worden, die Dreiergespräche gleich nach der Duma-Wahl wieder aufzunehmen; jetzt sei die Lage eine andere. Trump habe die Argumente angehört und zugesagt, entsprechende Signale an die ukrainische Delegation in Miami weitergeben zu lassen. Eine Bestätigung aus Washington dazu liegt in den geprüften Berichten nicht vor. Über Details des Gesprächs wolle er nicht Auskunft geben, sagte Uschakow selbst.

Die größte Attacke auf Moskau fiel auf den 20. September, den letzten der drei Wahltage. Nach CNBC nannte Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin es den bisher größten Drohnenangriff auf die Hauptstadt und sagte, er sei erkennbar geplant worden, um die Wahl zu stören. Zwei Menschen starben demnach in der Region Moskau, zwei weitere im russisch besetzten Teil des Gebiets Cherson, darunter ein Wahlbeamter; eine Anlage der Moskauer Raffinerie wurde beschädigt. Der Guardian berichtet, Selenskyj habe eine der getroffenen Anlagen als wichtigen Betrieb der russischen Ölindustrie bezeichnet. Zu Wahllokalen liegt in den geprüften Berichten ein Beleg vom ersten Wahltag vor: Ella Pamfilowa, die Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, sagte laut Moscow Times am 18. September, in der Region Krasnodar habe ein Wahllokal wegen Drohnenschäden verlegt werden müssen. Kiew hat die Abstimmung nach CNBC als Scheinwahl abgetan; dass es die Wahl gezielt stören wollte, behauptet in den geprüften Quellen nur die russische Seite.

Selenskyjs Wort vom „smokescreen“ gilt nicht Putins Team, sondern der ukrainischen Delegation. Er sagte am Freitag nach Ukrinform, seine eigene Delegation in Florida werde als „smokescreen“ benutzt, während Trump mit dem Kremlchef spreche und Russland Dieselexporte erlaube; das sei nicht fair. Gegenüber Axios sagte er, eine Stunde vor Trumps Ankündigung hätten seine Unterhändler ihm gemeldet, Trump wolle mit Putin sprechen. Er wisse nicht, ob Trump sich damit ein Treffen in Russland erkaufen wolle, es wirke aber so. Zugleich sagte er, Kiew brauche die Amerikaner, um den Krieg zu beenden. Trump lehnte laut diesem Bericht einen Kommentar zu Selenskyjs Kritik ab und zeigte sich zufrieden mit dem Geschäft. Eine ukrainische Antwort auf Uschakows Begründung für die Vertagung findet sich in den geprüften Berichten nicht.

Auf amerikanischer Seite nannte Witkoff die Gespräche in Miami nach dem Kyiv Independent konstruktiv; sie hätten Punkte für weitere Überlegungen vor dem nächsten Kontakt mit Russland ergeben, konkrete Vereinbarungen nannte er nicht. Ein US-Beamter, auf den sich Axios beruft, sagte, Witkoff und Kushner erwögen für die kommende Woche Reisen nach Moskau und Kiew; unklar sei, wie sich der Streit um den Diesel darauf auswirke. Derselbe Beamte führt Trumps Entscheidung für den Dieselhandel darauf zurück, Selenskyj habe mehrere amerikanische Bitten ignoriert, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Ein ukrainischer Beamter behauptet laut Axios, die US-Unterhändler hätten mit einem Ende der Geheimdienstunterstützung gedroht; der US-Beamte bestreitet das.

Der Kreml stellt das Gespräch selbst in einen Zusammenhang mit Energie: Putins Erklärung hält die russische Bereitschaft fest, Öl und Ölprodukte auf den amerikanischen und den Weltmarkt zu liefern, und nach Uschakows Kommentar besprachen die Präsidenten mögliche Lieferungen von Mineralölprodukten. Auf die Frage, ob die USA Zugeständnisse machten, verwies Uschakow nach dem Kommentar auf Washington. Lizenz und Mengenangaben stehen im Diesel-Bericht; einen belegten Zusammenhang zwischen der Lizenz und der Vertagung der Gespräche liefern die geprüften Quellen nicht.

Zu Iran sagte Uschakow, Putin habe Trump gesagt, das russische Angebot, hochangereichertes iranisches Uran nach Russland zu bringen, bleibe in Kraft; Trump habe diese Bemerkung laut Uschakow begrüßt und Moskaus Beteiligung an einer Lösung willkommen geheißen. Das gibt TASS in der Meldung zum Uranangebot wieder; eine Bestätigung von amerikanischer Seite liegt in den geprüften Berichten nicht vor. Von iranischer Seite liegt eine Äußerung vom Vortag vor: Mohammad Eslami, der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, sagte nach Mehr vom 8. Oktober, Iran werde das Uran nicht abgeben; auf das russische Angebot bezog er sich dabei nicht. Putin habe zudem laut Uschakow gesagt, die Amerikaner führten über Katar weiter einen indirekten Dialog mit den Iranern.

Wie weit die Darstellung trägt, hängt am Wortlaut. Die Reuters-Meldung bei Al Jazeera schreibt, die Angriffe machten die Wiederaufnahme unwahrscheinlich. Uschakows Kommentar spricht dagegen nur von der sofortigen Wiederaufnahme und davon, dass Moskau den Zeitpunkt noch prüfe. Über einen Termin für ein persönliches Treffen der Präsidenten sei nach Uschakow nicht gesprochen worden; beide wollten, Stand jetzt, zum APEC-Gipfel in China reisen und könnten sich dort treffen.