Astra: Drohnen setzen Ölterminal in Rostow in Brand
Gouverneur Sljusar bestätigt Angriff, Feuer, sechs Verletzte und beschädigte Wohnhäuser, nennt die Anlage aber nicht. Die Zuordnung zum Terminal Yug Rusi stammt von Analysten des Portals Astra; Kiew hat sich nicht bekannt.
In der Nacht zum 10. Oktober 2026 hat ein Drohnenangriff Rostow am Don getroffen. Gouverneur Juri Sljusar meldete nach der Nachrichtenagentur RIA Nowosti in der Stadt ein Feuer; später sprach er laut RTVI von sechs Verletzten, beschädigten Wohnhäusern und zwei beschädigten Schiffen im nahen Asow. Ein Analyst des unabhängigen russischen Portals Astra ordnete den Brand nach dem Kyiv Independent anhand von Anwohnervideos dem Ölverladeterminal Yug Rusi im Stadtbezirk Schelesnodoroschny zu, über das auch Produkte der Raffinerie Nowoschachtinsk ausgeführt werden.
Wer die Drohnen schickte, ist nicht belegt. Nach dem Kyiv Independent hatten ukrainische Militärs die Tat bis zur Veröffentlichung nicht für sich reklamiert; der Gouverneur sprach von einem feindlichen Luftangriff und nannte weder den Betrieb noch den Urheber. Die Kyiv Post schreibt von ukrainischen Kampfdrohnen und beruft sich dabei auf russische Behörden und unabhängige Medien, nicht auf eine Bestätigung aus Kiew.
Sljusar schrieb um 3.36 Uhr Moskauer Zeit (2.36 Uhr in Deutschland) im Netz, seit dem Vorabend seien mehr als 50 Drohnen abgewehrt worden, Rostow sei angegriffen worden, es sei ein Feuer ausgebrochen, Verletzte gebe es nicht; so steht es auf einem Abbild seines Kanals bei TVGram. Im Lauf des Morgens meldete er mehr. Über der Region seien in der Nacht mehr als 100 Drohnen zerstört oder unterdrückt worden, mehrere Hochhäuser und Privathäuser in Rostow seien beschädigt, die Bewohner evakuiert; in Bataisk habe eine Drohne einen unbewohnten Neubau getroffen. Vier der sechs Verletzten kamen laut Kommersant in Krankenhäuser. Ein Brand auf Lager- und Industrieobjekten werde gelöscht, sagte der Gouverneur nach RTVI. Eine beschädigte Eisenbahnbrücke hatte laut Kommersant den Zugverkehr in beiden Richtungen gestoppt; nach RTVI läuft er wieder. Das russische Verteidigungsministerium nannte demselben Bericht zufolge 560 abgefangene Drohnen über mehreren Regionen. Das Terminal selbst benannte Sljusar in den geprüften Meldungen nicht.
Das Feuer am Terminal beruht damit auf Astra und auf dem Kanal Exilenova+, der Videos veröffentlichte und später meldete, die Anlage brenne weiter. Der Kyiv Independent betont, er könne weder die Aufnahmen noch das Ausmaß des Schadens unabhängig prüfen. Satellitenbilder des Geländes fanden sich in den geprüften Quellen nicht. Auch die Bezeichnung schwankt: Nach Ukrinform heißt die Anlage seit 2009 Yug Rusi, in den Unterlagen der Raffinerie aber unter dem Namen NZNP-Ölterminal. Die Kapazität beziffert der Kyiv Independent nach den veröffentlichten Daten der Raffinerie auf 3,5 Millionen Tonnen im Jahr; Astra nennt laut Ukrinform eine Auslegung von etwa 2,5 Millionen Tonnen.
Eine Übernahme der Verantwortung aus Kiew liegt in den geprüften Quellen nicht vor. Die Meldung des ukrainischen Generalstabs über Schläge in der Nacht zum 10. Oktober betrifft nach Radio Swoboda die Station Samara bei Proswet, nicht Rostow. Die Raffinerie Nowoschachtinsk hatte der Generalstab nach dem Kyiv Independent am 25. September als getroffen gemeldet. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach demselben Bericht wiederholt erklärt, die Ukraine sei bereit, Angriffe auf russische Energieanlagen auszusetzen, wenn Moskau seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur ebenfalls einstellt.
Die Zeitfolge ist für die Einordnung wichtig. Washington hatte Kiew schon vorher öffentlich zur Zurückhaltung gedrängt: Am 13. September sagte Donald Trump nach CBS News in Irland: „He has to stop knocking out diesel fuel in Russia.“ Am 9. Oktober erklärte er nach einem Gespräch mit Wladimir Putin, Russland liefere Diesel an den Weltmarkt; das US-Finanzministerium erlaubte den Handel nach Radio Swoboda bis zum 7. April 2027. Die schärferen Worte folgten erst nach dem Angriff: Vor dem Weißen Haus sagte Trump am Samstag nach dem Kyiv Independent: „We said you could do whatever you want to Russia, don’t hit the refineries“, und weiter: „So he better damn well stop.“ Den Ablauf dieser Äußerung beschreibt der Beitrag Trump fordert neuen Präsidenten für die Ukraine.
Der Schlag reiht sich in eine Serie ukrainischer Angriffe auf russische Öl- und Treibstoffanlagen ein, über die Außenlage zuletzt berichtete: Ölanlagen in Wolgograd und Samara in der Nacht zum 2. Oktober sowie ein Treibstoffwerk, ein Rechenzentrum und die Raffinerie Uchta in der Nacht zum 9. Oktober (Redkino, Kaluga, Uchta). Ob das Terminal in Rostow ausgefallen ist und wie lange, ist offen; eine amtliche Schadensangabe liegt nicht vor.