Mittwoch, 14. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Russland bekennt sich zu Angriffen auf ukrainische Kraftwerke

Das russische Verteidigungsministerium nennt drei Heizkraftwerke in Kyjiw und Umgebung, zwei Kraftwerke und ein Umspannwerk als getroffen. Selenskyj spricht von einem gezielten Schlag gegen die Energie, die Trumps Waffenruhe schützen sollte; mindestens 600.000 Menschen seien ohne Strom.

Russland hat sich offen zu Angriffen auf die ukrainische Energieversorgung in der Nacht zum Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, bekannt. Die Streitkräfte hätten einen „massiven Schlag“ mit Präzisionswaffen und Langstreckendrohnen gegen „Objekte der Kommunikations- und Energieinfrastruktur“ in Kyjiw sowie in den Gebieten Kyjiw und Charkiw geführt, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau um 8.03 Uhr MESZ auf Telegram mit. Getroffen worden seien in Kyjiw das Rechenzentrum „ATM Ukrsibbank“ und die Heizkraftwerke Darnyzja (TEZ-4) und Kyjiw (TEZ-5), im Gebiet Kyjiw das Heizkraftwerk TEZ-6, das Wärmekraftwerk Trypillja und das Umspannwerk Kyjiwska, im Gebiet Charkiw das Heizkraftwerk Charkiw (TEZ-5) und das Kraftwerk Smijiw. Alle Anlagen dienten nach Darstellung des Ministeriums der Rüstungsindustrie oder den ukrainischen Streitkräften.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte den Angriff einen „gezielten“ Schlag gegen genau die Energieinfrastruktur, die unter die vom US-Präsidenten angekündigte Waffenruhe falle. Russland habe in der Nacht 39 ballistische Raketen und mehr als 120 Angriffsdrohnen und Lenkmunitionen eingesetzt, schrieb er um 7.58 Uhr MESZ auf X. Mindestens 600.000 Menschen seien ohne Strom, 26 Anlagen des Stromsystems und vier der Öl- und Gaswirtschaft seien beschädigt, es gebe Tote und Verletzte. Russland habe „noch nie eine so demonstrative Missachtung gegenüber den Vereinigten Staaten gezeigt“.

Selenskyj forderte Präsident Donald Trump auf, „starke“ Sanktionen gegen Russland zu verhängen, und verwies auf das jüngst in Kraft getretene Gesetz von Senator Lindsey Graham. Die Ukraine brauche zusätzliche Pakete von Patriot-Abfangraketen. Russland habe die Chance zur Deeskalation vertan. Um 13.11 Uhr MESZ dankte er EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf X für eine Auszahlung, die nach ihren Angaben auch Drohnen und Raketen finanziert; es gehe um Hilfe „nach einem besonders grausamen russischen Angriff, der die Waffenruhe verletzt hat, von der der amerikanische Präsident sprach“.

Die Zahl der Toten nennen die beiden Stellungnahmen nicht. Nach einem Bericht von Al Jazeera vom 14. Oktober wurden mindestens sechs Menschen getötet. Unabhängig überprüfen lässt sich die Liste des russischen Ministeriums nicht; die Begründung, die Kraftwerke versorgten militärische Ziele, ist die Darstellung Moskaus. Eine Stellungnahme des Kremls zum Bruch der Energie-Waffenruhe lag bis Mittwochmittag nicht vor. Das russische Ministerium meldete um 10.12 Uhr MESZ zudem Drohnentreffer auf ein Werk bei Kyjiw und ein Umspannwerk in Wyschhorod (Telegram).

Schon nach dem Angriff vom Montagabend hatte Selenskyj beklagt, die Partner hätten nicht vor ballistischen Raketen auf Kyjiw gewarnt; das steht im Bericht vom Dienstag. Wie Russland die Energie-Waffenruhe seit Trumps Ankündigung behandelt und was Außenminister Lawrow dazu sagte, beschreibt der Bericht zu den Angriffen und Lawrows „Atempause“. Die Vorgeschichte der Waffenruhe steht im Bericht zu Trumps Energie-Waffenruhe.