Russland greift die Ukraine mit Raketen und 117 Drohnen an
https://www.aussenlage.de/artikel/russland-angriff-raketen-drohnen-lawrow-atempause-energie-waffenruhe
Die ukrainische Luftwaffe zählt fünf ballistische Raketen und Treffer an 17 Orten, in Charkiw sterben drei Menschen. Lawrow sagt, Kiew habe keine „Atempause“ verdient, der Kreml schweigt zur Energie-Waffenruhe, Trump hält an ihr fest.
GeopolitikRussland hat die Ukraine in der Nacht zum Dienstag, dem 13. Oktober 2026, mit fünf ballistischen Raketen und 117 Drohnen angegriffen, nachdem US-Präsident Donald Trump am Sonntag eine Energie-Waffenruhe verkündet hatte. Das meldete die ukrainische Luftwaffe auf Telegram um 7.02 Uhr MESZ. Die Raketen vom Typ Iskander-M oder S-400 starteten nach ihren Angaben aus der russischen Region Brjansk; dazu kamen neun Lenkmunitionen vom Typ „Banderol“ oder „Dan-T“ und 108 Kampfdrohnen vom Typ Schahed, Gerbera und Täuschdrohnen. Bis 8 Uhr Ortszeit seien 88 Drohnen abgeschossen oder elektronisch abgelenkt worden. Einschläge verzeichnet die Luftwaffe an 17 Orten, herabfallende Trümmer an sieben, dazu Treffer von Lenkmunition in der Stadt Charkiw; der Angriff dauerte bei Veröffentlichung an.
In Charkiw fanden Rettungskräfte unter den Trümmern eines Wohnhauses im Bezirk Cholodnohirskyj drei Tote, schrieb Gouverneur Oleh Syniehubov um 6.04 Uhr MESZ auf Telegram. In seiner Tagesbilanz nennt er für die Stadt drei Tote und 37 Verletzte, in Losowa sei eine 71-jährige Frau getötet worden; diese Zahlen umfassen den gesamten Vortag, nicht nur die Nacht. In Kyjiw meldete die Luftwaffe am Montag gegen 22.10 Uhr Ortszeit rund sechs ballistische Raketen, berichtete die Kyiv Post am 12. Oktober; Bürgermeister Vitali Klitschko nannte nach dem Blatt Einschläge in einer Verkehrsanlage im Bezirk Dniprowskyj und in einem vierstöckigen Lagerhaus im Bezirk Desnjanskyj. Die Abweichung zu den fünf Raketen der Morgenbilanz erklären die Quellen nicht. Welche Anlagen an den 17 Orten getroffen wurden und ob Energieobjekte darunter sind, sagt die Luftwaffe nicht.
Moskau lehnt eine Feuerpause ab. Außenminister Sergej Lawrow wurde am Montag nach Gesprächen mit seinem libanesischen Kollegen Youssef Rajji gefragt, ob die von Trump verkündete Vereinbarung bestehe. Er verwies nach dem Wortprotokoll des russischen Außenministeriums auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der von einer solchen Vereinbarung nichts gehört habe, und warf ihm vor, Zeit für eine „Atempause“ gewinnen zu wollen. „Ich glaube nicht, dass er eine Atempause verdient hat. Ich glaube nicht, dass wir noch einmal auf Zusicherungen und Versprechen hereinfallen“, sagte Lawrow; Russland verfolge weiter die Ziele seiner „militärischen Spezialoperation“. Ob Moskau einer Waffenruhe für Energieanlagen zugestimmt hat, sagte er weder ja noch nein.
Kremlsprecher Dmitri Peskow wich am selben Tag aus. „Die Kommunikation läuft. Sobald wir etwas zu sagen haben, informieren wir Sie“, sagte er nach der Agentur TASS vom 12. Oktober auf die Frage nach der Energie-Waffenruhe. Russland wolle einen dauerhaften Frieden, keine Waffenruhe. Auf der Nachrichtenseite des Kreml stehen für Montag ein Treffen Putins mit dem Unternehmerverbandschef Alexej Repik und ein Glückwunsch an einen Judo-Weltmeister, keine Erklärung zu einer Feuerpause.
Trump hält an seiner Darstellung fest. „They agreed“, sagte er am Montag vor dem Weißen Haus, „because I said they agreed“, so der Kyiv Independent am 13. Oktober. Auf die russischen Angriffe angesprochen, sagte er nach Al Jazeera und AP vom 13. Oktober, er müsse sich das ansehen, es habe „violations on both sides“ gegeben; Belege nannte er nicht. Ein Wortprotokoll des Weißen Hauses oder ein neuer Beitrag auf Truth Social seit der Ankündigung vom 11. Oktober fand sich nicht. Selenskyj schrieb nach Al Jazeera am Montag, Russland habe allein an diesem Tag sechs Energieanlagen angegriffen, landesweit seien 33 Menschen verletzt worden.
Auch die EU verlangt ein Zeichen aus Moskau. Die Außenminister unterstützten eine Waffenruhe für Energieanlagen, „provided Moscow adheres to it“, sagte die Außenbeauftragte Kaja Kallas nach dem Treffen am Montag laut Mitschrift des Auswärtigen Dienstes; eine Waffenruhe könne nicht funktionieren, wenn nur eine Seite sie einhalte.
Wie Trumps Ankündigung zustande kam und welche Angriffe ihr folgten, steht im Bericht vom Sonntagabend; das Schweigen Moskaus am Tag danach beschreibt der Bericht vom Montag. Offen bleiben eine Stellungnahme des Kreml, der Beginn der Waffenruhe und die Frage, wer sie überwacht.