Montag, 19. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Selenskyj warnt vor russischen Raketen in Belarus

Der ukrainische Präsident erwartet stärkere Angriffe auf den Westen seines Landes und vermutet, dass Putin ballistische Raketen in Belarus stationieren will. Belege legt er nicht vor. Für ein Dreiertreffen mit Putin nennt er mögliche Orte.

Wolodymyr Selenskyj rechnet mit verstärkten russischen Angriffen auf die Westukraine über Belarus. Russland bereite sich nach seiner Einschätzung darauf vor, schrieb der ukrainische Präsident am 17. Oktober 2026 auf Telegram, wo er Antworten auf Journalistenfragen wiedergab. Nach Kiewer Erkenntnissen stelle Russland in Belarus Funkrelais auf, um den Korridor für Drohnenangriffe zu nutzen. Selenskyj geht zudem davon aus, dass Putin auch ballistische Raketen in Belarus stationieren will und dafür die Zustimmung von Machthaber Alexander Lukaschenko braucht. Das ist seine Einschätzung; Belege nannte er nicht, unabhängig überprüfen lässt sie sich nicht.

Eine Stationierung ballistischer Raketen würde nach Selenskyjs Worten vor allem den Westen der Ukraine bedrohen. Sie wäre aus seiner Sicht eine direkte Verwicklung von Belarus in den Krieg und gefährlich auch für Belarus selbst. Eine Reaktion aus Minsk oder Moskau fand die Redaktion bis zum Abend nicht.

Im selben Gespräch äußerte sich Selenskyj zu einem möglichen Treffen mit Putin. Die USA arbeiteten an einem Dreiertreffen, schrieb er in einem weiteren Beitrag. Washington nenne dafür stets die Vereinigten Arabischen Emirate oder Saudi-Arabien; denkbar sei auch ein Treffen in den USA am Rand des G20-Gipfels oder in einem europäischen Land. Bestätigt sei bislang nichts, weder von Russland noch von den USA. Die amerikanische Seite habe ein Treffen mit der Ukraine in der kommenden Woche in Aussicht gestellt. Die Europäer sollten nach Selenskyjs Ansicht einen eigenen Gesprächskanal zu Russland aufbauen; mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan will er gesondert über das Schwarze Meer und Ernährungssicherheit sprechen.

Die Warnung fällt in eine Woche massiver russischer Angriffe auf das ukrainische Stromnetz. Am Freitag trafen sie nach Selenskyjs Angaben mehr als 15 wichtige Energieanlagen; besonders schwierig sei die Lage unter anderem in Luzk, Riwne und Schytomyr gewesen, also im Westen und Norden des Landes. Die Vereinten Nationen zählten im September so viele zivile Opfer wie nie zuvor in diesem Jahr (unser Bericht).