UN zählen so viele zivile Opfer wie nie in einem September
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Die Beobachtermission der Vereinten Nationen verifiziert 328 Tote und 2105 Verletzte, 85 Prozent mehr als vor einem Jahr. Sie warnt vor den Folgen der Angriffe auf das Stromnetz, die Russland am Freitag und in der Nacht fortsetzte.
GeopolitikRussische Angriffe haben in der Ukraine im September mindestens 328 Zivilisten getötet und 2105 verletzt. Das hat die Menschenrechts-Beobachtermission der Vereinten Nationen (HRMMU) am 16. Oktober 2026 in ihrer monatlichen Bilanz mitgeteilt. Die Zahl der Toten und Verletzten liegt damit 85 Prozent über dem September 2025 und ist laut dem Monatsbericht die höchste für einen September seit Beginn der großangelegten Invasion. Betroffen waren 22 Regionen und die Hauptstadt; in Kyjiw gab es an 22 von 30 Tagen zivile Opfer, so oft wie in keinem Monat zuvor.
Von Januar bis September zählt die Mission 2570 Tote und 15.211 Verletzte, 59 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die ersten beiden Oktoberwochen gehörten nach Einschätzung von Missionschefin Danielle Bell zu den tödlichsten Phasen für Zivilisten seit Jahren. Allein in Pryluky im Gebiet Tschernihiw starben in der Nacht zum 7. Oktober 22 Menschen. Die Mission warnt, systematische Angriffe auf Strom und Wärme vor dem Winter würden der Bevölkerung erhebliches Leid zufügen. Sie verweist auch auf ukrainische Angriffe auf Energieanlagen in besetzten Gebieten und in Russland.
Die Angriffe gehen weiter. Am Freitag stellten die Reparaturtrupps nach Angaben des Energieministeriums bei mehr als einer Million Menschen die Stromversorgung wieder her, die durch russische Schläge ausgefallen war, berichtet die Jerusalem Post am 16. Oktober unter Berufung auf Reuters. Im Gebiet Wolhynien an der Grenze zu Polen waren laut Gouverneur Roman Romanjuk am Morgen 370.000 Abnehmer ohne Strom; in Manewytschi starb ein Mensch, acht wurden verletzt, berichtet die Ukrajinska Prawda. In Charkiw kamen laut Gouverneur Oleh Synjehubow zwei Menschen ums Leben.
In der Nacht zum Samstag griff Russland nach Angaben der Luftstreitkräfte mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und 332 Drohnen an; abgeschossen oder elektronisch abgewehrt wurden 293 Ziele, darunter vier Marschflugkörper vom Typ Kalibr, berichtet Interfax-Ukraine am 17. Oktober. Treffer gab es demnach an 22 Orten. Für den gesamten vergangenen Tag meldeten die Gebietsverwaltungen am Samstag sieben Tote und rund 90 Verletzte, berichtet der Kyiv Independent am 17. Oktober: darunter die beiden Toten im Gebiet Charkiw, zwei in Kramatorsk und je einer im Raum Nikopol, in Dnipro und im Gebiet Cherson. Präsident Selenskyj sprach demnach von einem der größten Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung, Ziel seien mehr als 15 wichtige Anlagen für Stromerzeugung und -übertragung gewesen. Das Gebiet Winnyzja erlebte laut Gouverneurin Natalija Sabolotna einen der schwersten Drohnenangriffe seit Kriegsbeginn, sechs Menschen wurden verletzt.
Generalstabschef Waleri Gerassimow hatte Präsident Putin am Freitag gemeldet, die Streitkräfte hätten mit massiven Schlägen auf die ukrainische Energieversorgung begonnen (unser Bericht). Mitte der Woche hatte Moskau sich zu Angriffen auf die Kraftwerke von Kyjiw und Charkiw bekannt (unser Bericht).