Trump plant laut MS NOW neue Iran-Angriffe nach den Zwischenwahlen
https://www.aussenlage.de/artikel/usa-bereiten-golfstaaten-laut-wsj-auf-kurze-iran-kampagne-vor
Die Golfstaaten sind laut dem Sender auf eine kurze, intensive Angriffsrunde frühestens am 4. November eingestellt und fürchten iranische Vergeltung. Trump sieht laut Iran International noch Zeit für Gespräche.
GeopolitikUS-Präsident Donald Trump plant laut dem US-Sender MS NOW, die Angriffe auf Iran nach den Zwischenwahlen am 3. November wieder aufzunehmen. Seine Regierung hat Verbündete am Golf demnach darauf vorbereitet, dass eine kurze, intensive Runde von Angriffen frühestens am 4. November beginnen könnte, dem Tag nach der Wahl. Der Bericht vom Freitagabend beruft sich dafür auf drei hochrangige Beamte aus arabischen Golfstaaten, denen der Sender Anonymität zusicherte; im Vorspann schreibt MS NOW, Trump erwäge einen weiteren Angriff, von dem er sich ein Ende des Krieges erhoffe. Der Sender verweist darauf, dass zuvor das Wall Street Journal über die Unterrichtung der Golfstaaten berichtet hatte.
Die Golfstaaten drängen nach dem Bericht auf Deeskalation, weil sie iranische Vergeltung fürchten. Einer der Beamten sagte dem Sender, er wäre nicht überrascht, wenn sich einzelne Golfstaaten dagegen wehrten, dass die USA von Stützpunkten auf ihrem Gebiet aus angreifen. Zugleich schicken die USA laut MS NOW eine dritte Trägerkampfgruppe um die USS Theodore Roosevelt mit rund 9000 Matrosen und Marineinfanteristen in Richtung Nahost; nach Angaben von US-Vertretern soll sie Ende November eintreffen. Zusätzliche Patriot-Batterien seien nach Saudi-Arabien und Katar verlegt worden.
Ein Vertreter des Weißen Hauses sagte MS NOW: „We do not comment on sensitive military plans that may or may not exist.“ Trump halte alle Optionen offen, damit Iran nie eine Atomwaffe besitze. Trump selbst sagte am Freitag dem Radiosender KCMO aus Kansas City, der Krieg mit Iran „is going to be over very soon“. Vor Reportern im Weißen Haus sagte er nach einem Post von Iran International (22.20 Uhr MEZ): „There are talks, they want to talk, they keep talking.“ Und: „We have time, frankly.“
Parallel laufen die Vermittlungsversuche. Vizepräsident JD Vance hat laut MS NOW unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen in einem Brief an Irans Sicherheitsratssekretär Mohsen Rezaei ein Treffen vorgeschlagen, um die Gespräche wieder aufzunehmen (früherer Bericht). Vermittler aus Katar waren demnach am Freitag wieder in Teheran; Katar habe einen Sieben-Tage-Plan mit vertrauensbildenden Schritten vorgeschlagen, die Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff seien eingebunden. Der demokratische Senator Chris Murphy, der nach eigenen Angaben an einem vertraulichen Briefing zu den Kriegsplänen teilgenommen hat, sagte laut MS NOW in dieser Woche bei einer Veranstaltung einer Denkfabrik in Washington: „Their plan is insane.“
WSJ-Bericht vom 28. Oktober
Die USA haben mehrere arabische Golfstaaten laut Wall Street Journal (WSJ) darauf vorbereitet, dass nach den Zwischenwahlen am 3. November ein kurzer, intensiver Militäreinsatz gegen Iran folgen könnte. Die Botschaften seien über diplomatische und militärische Kanäle übermittelt worden, berichtet das WSJ unter Berufung auf Personen, die über die Gespräche unterrichtet wurden, wie die türkische Agentur Anadolu wiedergibt. Die Zeitung wertet die Hinweise als Zeichen, dass die USA und Israel eine neue Runde schwerer Angriffe vorbereiten, um Iran zu schwächen und an den Verhandlungstisch zu zwingen.
Nach dem Bericht verlegt das US-Militär ein Patriot-Raketenabwehrsystem aus Texas in die Region und hat Soldaten von Stützpunkten abgezogen, auf denen sie verwundbar waren. Zudem würden Munitionsbestände aufgefüllt sowie Bomber und Kampfflugzeuge auf Angriffe vorbereitet. Im November sollen demnach eine weitere Trägerkampfgruppe und eine Marine Expeditionary Unit zu den rund 20 US-Kriegsschiffen im Nahen Osten stoßen. Trump habe noch nicht abschließend entschieden, neige aber zu einem großen Angriff nach der Wahl, der Infrastruktur und Atomanlagen in Iran treffen könnte, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Personen, die mit seinen Überlegungen vertraut seien.
Das Weiße Haus wollte sich nach dem Anadolu-Bericht nicht zu sensiblen militärischen Plänen äußern, die es geben könne oder nicht; Trump halte alle Optionen offen, damit Iran niemals eine Atomwaffe besitze. Trump selbst sprach am Dienstag, dem 27. Oktober, bei einer Wahlkampfkundgebung in Lubbock (Texas) über Iran. „Venezuela, Iran, you’ll see Iran in a couple of weeks, if you don’t mind“, sagte er laut dem Transkript von Roll Call Factba.se. An anderer Stelle sagte er über den Krieg: „It could be over whenever I want it to be over.“ Er fügte hinzu, der Krieg müsse ordentlich enden, mit der Gewissheit, dass Iran nie eine Atomwaffe haben werde.
Trump hatte zuvor nach Anadolu erklärt, er werde Iran nicht vor den Zwischenwahlen angreifen (früherer Bericht). Über Pläne der USA und Israels für neue Angriffe hatte zuvor die New York Times berichtet.
Großbritannien hat seine Reisehinweise für Iran am 27. Oktober im Abschnitt zu den regionalen Spannungen aktualisiert. Die Lage im Nahen Osten bleibe zutiefst unberechenbar, das Risiko einer plötzlichen Eskalation sei hoch, schreibt das Außenministerium in London. Iran habe erklärt, Orte mit Bezug zu den USA und Israel ins Visier zu nehmen, darunter Organisationen, Unternehmen und Einrichtungen. Britische Staatsangehörige in der Region oder auf der Durchreise sollten mit Flugausfällen und Luftraumsperrungen rechnen und sich von Sicherheits- und Militäreinrichtungen fernhalten. Von allen Reisen nach Iran rät das Ministerium weiterhin ab.