Vance bietet Iran laut NYT direkte Gespräche an
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Teheran hat den Brief des US-Vizepräsidenten laut der Agentur Tasnim erhalten, aber noch nicht beantwortet. Verhandlungen könnten laut New York Times schon kommende Woche in Katar oder der Türkei beginnen.
GeopolitikUS-Vizepräsident JD Vance hat Iran in seinem Brief an den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei, laut New York Times direkte Verhandlungen vorgeschlagen und angeboten, sie auf amerikanischer Seite selbst zu führen. Teheran hat den Erhalt des Briefs inzwischen bestätigt: Iran habe das Schreiben erhalten, aber noch nicht darauf geantwortet, berichtete die halbamtliche Agentur Tasnim am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua.
Die Agentur Fars meldete nach einem Bericht von Arab News unter Berufung auf die Agentur AFP Ähnliches und berief sich auf eine mit dem Vorgang vertraute Quelle. Nach Darstellung von Tasnim besteht Iran weiter darauf, dass die USA die sieben von Teheran gestellten Bedingungen erfüllen; jede Position, die diesen Rahmen untergrabe, sei inakzeptabel. Zu den Bedingungen gehören laut Arab News eine Waffenruhe in der gesamten Region, die Freigabe eingefrorener Gelder, die Aufhebung der Ölsanktionen und ein Ende der amerikanischen Seeblockade. Welche Forderungen Teheran im Einzelnen stellt, beschreibt unser Bericht zu den sieben Bedingungen.
Die New York Times beruft sich in ihrem Bericht vom 28. Oktober, den unter anderem der Philadelphia Inquirer übernommen hat, auf einen ranghohen US-Regierungsvertreter und einen iranischen Offiziellen. Demnach verschickte Vance den Brief vergangene Woche über katarische Vermittler, Rezaei erhielt ihn am Sonntag. Das Atomprogramm müsse von Beginn an auf dem Verhandlungstisch liegen, habe Vance klargestellt. Ort und Zeitpunkt nenne der Brief nicht; direkte Verhandlungen könnten nach Angaben beider Gewährsleute aber schon in der kommenden Woche in Katar oder der Türkei beginnen. Nimmt Teheran das Angebot an, begännen die Gespräche formal ohne Vorbedingung. Trump habe den Brief gelesen und vor dem Versand gebilligt. Irans Führung habe den Vorschlag gut aufgenommen, sagte der iranische Gewährsmann der Zeitung.
Katarische Vermittler sind am Freitag erneut nach Teheran gereist, um eine Vereinbarung zwischen Iran und den USA voranzubringen. Sie stimmen sich dabei nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, den Iran International zusammenfasst, mit Washington ab. Die Delegation unter Leitung eines Beraters des katarischen Ministerpräsidenten und Außenministers traf nach Angaben der Staatsagentur IRNA am Morgen ein. Umstritten bleibt die Reihenfolge: Washington will die Atomfrage von Beginn an klären, Teheran verlangt zuerst ein Ende der Seeblockade und der Beschränkungen seiner Ölexporte. Die Washington Post berichtet nach derselben Zusammenfassung, Vance habe Rezaei ein Treffen angeboten; Istanbul oder Doha kämen als Ort in Frage, sollten sich beide Seiten auf direkte Gespräche einigen. Iran müsse zudem Vertreter mit einem Mandat für Atomverhandlungen benennen.
Zugleich hält sich Washington die militärische Option offen. Der Chef des US-Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, unterrichtete Trump am Donnerstag über den Stand des Krieges, wie Axios unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter berichtet. Im Mittelpunkt standen demnach die Frage, ob die Seeblockade wirkt, der Militäreinsatz zum Geleit von Öltankern aus der Straße von Hormus und die gemeinsam mit dem Finanzministerium geführte wirtschaftliche Druckkampagne. Trump verfolge zwei Wege: einen Neustart der Gespräche und die Vorbereitung auf eine mögliche Wiederaufnahme großer Kampfhandlungen nach den Zwischenwahlen. An dem Treffen nahmen laut Axios unter anderem Verteidigungsminister Pete Hegseth, Finanzminister Scott Bessent, Generalstabschef Dan Caine, der Sondergesandte Steve Witkoff und Vance teil. Der US-Botschafter in der Türkei, Tom Barrack, sagte nach dem Bericht dem Sender CNN, beide Seiten stünden kurz vor einer Einigung auf eine Deeskalation.
Stand am 29. Oktober
US-Vizepräsident JD Vance hat laut Axios in einem Brief an Irans Sicherheitschef Mohsen Rezaei klargestellt, dass Verhandlungen zur Abwendung amerikanischer Militärschläge auch das Atomprogramm umfassen müssten. Das Nachrichtenportal beruft sich auf einen US-Regierungsvertreter; zuerst hatte das Wall Street Journal über den Brief berichtet. Wann er abgeschickt wurde, sagte der Gewährsmann nicht.
Der Brief ist nach Einschätzung von Axios der ranghöchste Kontakt Washingtons mit Teheran seit mehreren Monaten. Vance habe den Schritt selbst vorgeschlagen, Präsident Donald Trump sei davon begeistert gewesen. Rezaei gehört nach Darstellung des Portals zu den ranghöchsten Sicherheitsvertretern Irans und hat einen direkten Draht zu Revolutionsführer Modschtaba Chamenei. Trump selbst sagte am Mittwoch, in dem Brief sei es darum gegangen, Iran bei der Beschaffung medizinischer Hilfsgüter zu helfen. Auf die Frage, ob er Vance angewiesen habe, Friedensgespräche wieder anzustoßen, antwortete Trump nach einem Bericht des indischen Senders NDTV mit Nein; dem Vorstoß habe er aber zugestimmt.
Eine Woche massiver Angriffe
Ohne kurzfristige Einigung erscheint eine neue Bombenoffensive kurz nach den Zwischenwahlen am 3. November wahrscheinlich, berichtet Axios in einem zweiten Stück unter Berufung auf amerikanische, israelische und regionale Quellen. Eine solche Operation solle nach Angaben von US- und israelischen Regierungsvertretern eine Woche massiver Angriffe auf Irans Führung sowie auf Energie-, Atom- und Infrastrukturziele umfassen. Israels Generalstabschef Ejal Samir habe sich am Montag mit dem Chef des US-Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, abgestimmt. Trump sagte Axios, man müsse die Aufgabe zu Ende bringen, entweder mit einem Abkommen oder auf andere Weise.
Zugleich versuchen Vermittler unter Führung Katars mit Unterstützung Pakistans, Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei, Iran zur Zulassung von UN-Inspektoren an den bombardierten Atomanlagen zu bewegen, im Gegenzug für begrenzte Sanktionserleichterungen. Im Gespräch ist laut Axios eine Rückkehr zur Vereinbarung von Kairo mit der Internationalen Atomenergiebehörde vom September 2025. Iran könnte dann Ausnahmen für Ölverkäufe und Zugriff auf eingefrorene Gelder für humanitäre Käufe erhalten. Teheran will die Ideen nach Angaben einer regionalen Quelle in den kommenden Tagen Chamenei zur Billigung vorlegen. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, die USA bereiteten Golfstaaten auf eine kurze, intensive Kampagne vor.
Teheran weist Katar-Plan zurück
Den Bericht über einen neuen katarischen Vertragsentwurf mit einem Sieben-Tage-Fahrplan wies ein ranghoher iranischer Regierungsvertreter am Mittwoch zurück, wie der CBS-Liveblog unter Berufung auf Reuters berichtet. Katar habe keinen neuen Vorschlag vorgelegt, sondern inakzeptable Ideen; in der Atomfrage werde Iran keine Flexibilität zeigen. Außenminister Abbas Araghtschi erklärte dagegen nach Angaben von CBS auf X, Iran gebe der Diplomatie weiter eine Chance und prüfe in engem Kontakt mit den Vermittlern Ideen, mit denen sich der eigene Sieben-Tage-Plan in weniger als einer Woche umsetzen ließe. Diesen Plan, eine siebentägige Waffenruhe mit anschließender schrittweiser Öffnung der Straße von Hormus, hatte Iran laut CBS den USA kurz nach der UN-Generalversammlung im September vorgelegt; Trump lehnte ihn ab.