Samstag, 24. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Berlin verhandelt laut Bloomberg über Tausende Marschflugkörper

Laut Bloomberg geht es bei Covenant um mehr als eine Milliarde Euro, im Gespräch sind auch Systeme aus der Ukraine und Europa. Die Lieferung von Tomahawk und Typhon aus den USA könnte sich um bis zu fünf Jahre verzögern.

Das Bundesverteidigungsministerium verhandelt laut Bloomberg mit dem amerikanischen Rüstungs-Start-up Covenant über einen Vertrag im Wert von mehr als einer Milliarde Euro für Tausende bodengestützte Marschflugkörper vom Typ Anthem. Das berichtete das ukrainische Nachrichtenportal LIGA.net am Freitag unter Berufung auf die Agentur, die sich auf ungenannte, mit der Sache vertraute Personen stützt. Hintergrund sind demnach Verzögerungen bei amerikanischen Waffen: Der geplante Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern und Typhon-Startsystemen beim US-Hersteller Raytheon könnte sich um bis zu fünf Jahre verschieben.

Berlin spricht laut Bloomberg auch mit der Ukraine über die gemeinsame Produktion und Beschaffung des Marschflugkörpers Bars, dessen Hersteller nicht öffentlich bekannt ist. Als weitere Kandidaten gelten demnach die niederländische Destinus mit ihrem Flugkörper Ruta und das deutsch-britische Start-up Hypersonica, das den Hyperschallflugkörper HS1 entwickelt. Die Idee dahinter: Tausende vergleichsweise günstige Flugkörper sollen im Konfliktfall die gegnerische Luftabwehr durch Masse überlasten. Die Bundeswehr verfügt derzeit nur über den Marschflugkörper Taurus von MBDA und Saab, der von Flugzeugen gestartet wird und eine Reichweite von rund 500 Kilometern hat.

Covenant hatte Anfang Oktober ein Werk in Leipzig eröffnet, berichtete der MDR. Dort sollen laut LIGA.net Anfang 2027 die ersten Marschflugkörper vom Band laufen, bis Ende des kommenden Jahres sollen es 1.000 Stück sein, 2028 soll die Kapazität auf 5.000 im Jahr steigen. Genaue technische Daten zu Anthem nannte Covenant nicht; die Reichweite liegt laut den Quellen bei mehr als 2.000 Kilometern. Die modernisierte Bars fliegt laut LIGA.net nach Angaben des Entwicklers mehr als 1.000 Kilometer weit, bis zu 700 Kilometer pro Stunde schnell und trägt einen Gefechtskopf von bis zu 60 Kilogramm.

Anthem hat bereits einen europäischen Käufer: Dänemark hatte am Donnerstag bekanntgegeben, Raketen von Kongsberg und Covenant zu kaufen. Der Inspekteur des Heeres hatte Anfang Oktober angekündigt, das Heer solle günstige Marschflugkörper für den Masseneinsatz bekommen.