Juso-Chef Türmer stellt sich gegen Klingbeils erneute Kandidatur
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Wer Finanzminister und Vizekanzler bleiben wolle, solle nicht wieder SPD-Vorsitzender werden, sagt er der Neuen Osnabrücker Zeitung und lobt Heil und Schwesig. Bremens Bürgermeister Bovenschulte stellt sich hinter Klingbeil.
DeutschlandJuso-Chef Philipp Türmer lehnt eine erneute Kandidatur von Lars Klingbeil für den SPD-Vorsitz ab, solange dieser Finanzminister und Vizekanzler bleiben will. Das sagte er im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, das am 24. Oktober 2026 erschien. Auf dem Parteitag im Januar wählt die SPD ihre gesamte Führung neu, nachdem Bärbel Bas am 12. Oktober als Parteichefin und Arbeitsministerin zurückgetreten war.
Türmer begründet seine Haltung mit Klingbeils Bilanz in knapp zehn Jahren als Generalsekretär und Vorsitzender: Eine klare Strategie für einen Wiederaufstieg der Partei habe er in dieser Zeit nicht erkannt, und in der Doppelrolle als Minister und Parteichef sei eine solche auch kaum zu entwickeln. Klingbeil hat eine erneute Kandidatur bisher offengelassen, offizielle Bewerber gibt es noch nicht, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet (SZ/dpa).
„Aus meiner Sicht spricht alles dafür, hier eine Veränderung zu schaffen“, sagte Türmer. Auf mögliche Alternativen angesprochen, lobte er den früheren Arbeitsminister Hubertus Heil, der eine Kandidatur nicht ausschließt, und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Heil stehe „für Arbeit und Soziales“, Schwesig habe „einen hervorragenden Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern geführt“ und komme „letztlich für alles infrage“. Festlegen will sich Türmer nicht: „Ich lege mich aber nicht auf Personen fest, bevor die inhaltlichen und strategischen Fragen geklärt sind.“ Eine Rückkehr von Sigmar Gabriel lehnt er ab; er halte ihn „nicht für die Zukunft der Sozialdemokratie“.
Inhaltlich will Türmer die SPD stärker auf Umverteilung ausrichten. Die Partei habe Wähler in alle Richtungen verloren, weil sie „zu einer Partei des Status quo geworden“ sei. Kapitalerträge und große Vermögen sollten stärker zur Finanzierung der Sozialsysteme beitragen, die Erbschaftsteuer könne Investitionen in Bildung finanzieren. Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren lehnt er ab. Einen Austritt aus der Koalition mit der Union fordert er nicht: „Wir brauchen einen Neustart innerhalb dieser Koalition.“
Rückendeckung bekommt Klingbeil aus Bremen. „Lars Klingbeil macht eine gute Arbeit. An dieser Stelle sehe ich keine Änderungsnotwendigkeit“, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, wie SZ/dpa berichtet. Eine Trennung von Parteivorsitz und Ministeramt hält er nicht für zwingend. Die Doppelspitze solle die SPD beibehalten; für die Nachfolge von Bas nannte er Schwesig und die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger „zweifellos sehr gut geeignet“. Fraktionschef Matthias Miersch und Verteidigungsminister Boris Pistorius hatten sich bereits für Klingbeils Wiederwahl ausgesprochen, wie wir berichteten.