Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Kiew bittet E5-Staaten um zehn Prozent ihrer Abfangraketen

Verteidigungsminister Chmara will Patriot- und IRIS-T-Raketen aus den Beständen der Partner sofort und bietet dafür spätere Lieferungen aus ukrainischen Bestellungen. Betroffen wären auch die Vorräte der Bundeswehr.

Die Ukraine bittet Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Polen und Italien, ihr zehn Prozent ihrer vorhandenen Bestände an den betreffenden Abfangraketen zu überlassen, darunter Flugkörper für die Systeme Patriot und IRIS-T. Verteidigungsminister Jewhen Chmara schlug den Verteidigungsministerien der sogenannten E5 einen Tausch vor, wie sein Ministerium am Montag um 20.14 Uhr MEZ mitteilte: Die Partner sollen jetzt aus ihren Lagern liefern und im Gegenzug Raketen erhalten, die die Ukraine bereits bestellt hat und die erst später eintreffen.

Finanziert werden diese Bestellungen nach Angaben des Ministeriums über den Kredit der Europäischen Union für die Ukraine. Eine solche Entscheidung würde den Schutz ukrainischer Städte rasch verbessern und könne anderen Partnern als Beispiel dienen, argumentierte Chmara. An dem Austausch nahmen demnach auch EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius, die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und die stellvertretende Nato-Generalsekretärin Radmila Šekerinska teil.

Schultergestützte Abwehr und Drohnen

Neben den Abfangraketen braucht die Ukraine nach den Worten des Ministers dringend tragbare Flugabwehrsysteme gegen düsengetriebene Drohnen. Kiew setze dabei sowohl auf Geld für neue Beschaffungen als auch auf Abgaben aus den Beständen der Partner.

Als zweite Priorität nannte Chmara die Finanzierung der Drohnenproduktion. Ukrainische Hersteller könnten ihre Fertigung im kommenden Jahr verdoppeln, wenn das Geld rechtzeitig fließe. Kiew schlägt nach der Mitteilung zudem vor, ukrainische Drohnen gemeinsam mit Partnern auf deren Staatsgebiet zu produzieren; das stärke auch deren eigene Verteidigung. Die Unterstützung für 2027 müsse schon jetzt geplant werden.

Die E5-Verteidigungsminister hatten sich am Montag in Paris getroffen und Russland in ihrer gemeinsamen Erklärung als akuteste Bedrohung für den euroatlantischen Raum bezeichnet (zum Bericht). Über knapper werdende Patriot-Bestände der Ukraine hatte zuvor CNN berichtet (zum Bericht).