Dienstag, 20. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

Nato schickt zusätzliche Kräfte zur Überwachung ins Schwarze Meer

Nach den Drohnenangriffen auf Handelsschiffe kündigt die Allianz Aufklärung und Forensik an. Wer die Angriffe verübt hat, sagt sie nicht, auch Umfang und Zeitplan bleiben offen.

Die Nato verlegt zusätzliche Kräfte in die Schwarzmeerregion, darunter Mittel für Überwachung, Aufklärung und forensische Untersuchungen. Das hat Nato-Sprecherin Allison Hart am Dienstag auf X angekündigt, nachdem die Botschafter der Mitgliedstaaten im Nordatlantikrat über die Sicherheit im Schwarzen Meer beraten hatten. Die Allianz habe ihre Aufstellung an der Ostflanke bereits verstärkt, auch mit Fähigkeiten zur Drohnenabwehr.

Anlass sind Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor den Küsten der Nato-Staaten Bulgarien und Rumänien. In der vergangenen Woche trafen Drohnen nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters vom Dienstag zwei Chemikalientanker nahe der rumänischen Küste, sieben Seeleute werden vermisst. In den zehn Tagen davor seien mindestens fünf weitere Frachter getroffen worden, mindestens 23 Seeleute gelten als tot oder vermisst. Einem Land schreibt die Nato die Angriffe nicht zu. Militäranalysten halten es laut Reuters für so gut wie sicher, dass Russland dahintersteht; Moskau hat sich nicht dazu bekannt.

Zu den zusätzlichen Kräften gehören nach dem Reuters-Bericht vom 20. Oktober Seefernaufklärer, Radarsysteme und Drohnen. Mitgliedstaaten hätten außerdem Geheimdienstpersonal und Teams zur forensischen Untersuchung von Sprengstoffen entsandt oder würden dies noch tun, sagte laut Reuters der militärische Nato-Sprecher Martin L. O’Donnell, ein Oberst der US-Armee.

Auf Bitten Bulgariens patrouilliert bereits ein Seefernaufklärer der US-Marine vom Typ P-8 Poseidon über dem Schwarzen Meer. Regierungschef Rumen Radew bestätigte die Aufklärungsflüge, berichtet n-tv am 20. Oktober unter Berufung auf AFP. Die Maschine war nach Daten der Plattform ADS-B Exchange am Sonntag aus Sizilien kommend in Warna gelandet. Einige Nato-Staaten hätten schnell auf Sofias Bitte reagiert, Bulgarien erwarte weitere Unterstützung, sagte Radew demnach.

Wie viele Flugzeuge, Radare und Drohnen die Nato schickt, welche Staaten sie stellen und ab wann sie im Einsatz sind, sagt die Allianz nicht. Auf Bulgariens Bitte um Kampfflugzeuge und Drohnenabwehr auf seinem Gebiet geht die Mitteilung nicht ein. Frankreich hat nach Angaben des Guardian vom 20. Oktober bereits am 18. Oktober ein Seeaufklärungsflugzeug nach Rumänien geschickt. Das russische Militär gab nach Angaben der Zeitung an, am Dienstag drei Frachter im ukrainischen Hafen Reni und zwei weitere auf dem Weg nach Odessa angegriffen zu haben. Bulgarien, Rumänien und die Türkei wollen mit ihrem gemeinsamen Minenabwehrverband künftig auch Seekabel und Pipelines überwachen.