Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Sicherheitspolitik

NATO-Vize Šekerinska drängt Verbündete zur Abgabe von Abfangraketen an die Ukraine

Laut Interfax-Ukraine sollen Bündnisstaaten PAC-2- und PAC-3-Raketen aus ihren Beständen liefern und fällige Lieferungen an Kiew umleiten. Als Grund nennt die NATO-Vizegeneralsekretärin Russlands Drohnen mit Strahlantrieb.

NATO-Vizegeneralsekretärin Radmila Šekerinska hat die Verbündeten aufgefordert, tiefer in ihre Bestände zu greifen und einen Teil ihrer Abfangraketen an die Ukraine abzugeben. Jede Abfangrakete in den Händen der ukrainischen Streitkräfte rette Leben, sagte sie am Mittwoch in Brüssel beim neuen EU-Büro des Kyiv Security Forum, wie aus dem Redetext der NATO hervorgeht. Die Verbündeten sollten entscheiden, dass einige ihrer Abfangraketen in die Ukraine gehen, weil sie dort dringend gebraucht würden.

Konkreter wurde Šekerinska laut Interfax-Ukraine bei derselben Veranstaltung. Demnach sollen Bündnisstaaten PAC-2- und PAC-3-Raketen für das Patriot-System sofort aus ihren Beständen liefern, statt auf neue Produktion zu warten. Lieferungen, die in den kommenden Wochen oder Monaten bei ihnen eintreffen sollen, sollten sie direkt an die Ukraine weitergeben und ihre Bestände später über andere Käufe wieder auffüllen.

Den Bedarf begründete Šekerinska laut Interfax-Ukraine mit Russlands Einsatz von Drohnen mit Strahlantrieb. Neben Patriot-Raketen bittet die NATO die Verbündeten deshalb auch um AIM-9-Raketen, Teile für das Flugabwehrsystem SAMP/T und 20-Millimeter-Munition. Der Mangel an Flugabwehr sei ein weltweites Problem, die Rüstungsindustrie halte mit der Nachfrage nicht Schritt. Šekerinska nannte das nach diesen Angaben wohl die wichtigste Herausforderung, vor der das Bündnis stehe.

Nach dem NATO-Redetext stammen 99 Prozent der Abfangraketen und Flugabwehrsysteme der Ukraine von NATO-Verbündeten. Die Lieferungen über die Prioritised Ukraine Requirement List (PURL), über die Europäer US-Waffen für Kiew bezahlen, laufen laut Interfax-Ukraine nach Plan; es sei sogar mehr geliefert als bisher finanziert worden. Die Niederlande sagten laut Šekerinska am selben Tag zusätzliche Hilfe zu, davon 400 Millionen Euro für militärische Ausrüstung mit Schwerpunkt auf Flugabwehr und tragbaren Flugabwehrraketen.

Der Aufruf deckt sich mit einer Forderung Kiews: Verteidigungsminister Jewhen Chmara hatte die E5-Staaten am Montag gebeten, zehn Prozent ihrer vorhandenen Abfangraketen an die Ukraine abzugeben, im Tausch gegen spätere Lieferungen. Zuvor hatte CNN berichtet, dass der Ukraine die Patriot-Raketen ausgehen.