Trump fordert neuen Präsidenten für die Ukraine
Der US-Präsident sagte vor dem Weißen Haus: „I think it’s time for Ukraine to get a new president.“ Das war einen Tag nach dem Dieselabkommen mit Russland; Trump warf Selenskyj vor, weiter Raffinerien anzugreifen. Kiews Außenminister verweist auf die Unterstützung der Ukrainer für Selenskyj, Putins Gesandter Dmitrijew begrüßt die Worte.
US-Präsident Donald Trump hat am Samstag, dem 10. Oktober 2026, vor dem Weißen Haus gesagt, es sei Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekomme. Nach dem Bericht der New York Post sagte er das Reportern beim Aufbruch zu einer Kundgebung in Tennessee: „I think it’s time for Ukraine to get a new president.“ Die Äußerung trifft Wolodymyr Selenskyj, dessen Land nach BBC-Angaben seit 2022 unter Kriegsrecht steht, sodass Wahlen ausgesetzt sind.
Anlass ist der Streit um das Dieselabkommen mit Russland. Trump hatte am Freitag mitgeteilt, Russland werde Diesel für den amerikanischen und den globalen Markt liefern; das US-Finanzministerium stellte nach der Tagesschau eine befristete Erlaubnis bis zum 7. April 2027 aus. Selenskyj hatte das Abkommen nach Axios in einem Interview als „not fair and not honest“ bezeichnet. Trump sagte laut Axios am Samstag: „I suggest they get a new leader who can make a deal.“
Den Vorwurf an Selenskyj gibt die AP so wieder: Er wolle „problems for our farmers, our ranchers, with diesel fuel“ machen. Trump sagte, er habe Selenskyj gebeten, russische Raffinerien nicht anzugreifen; Selenskyj lasse sie dennoch weiter angreifen. Er behauptete außerdem, Selenskyj habe den Krieg mehrfach beenden können. Die Zahlen, die er zu Gebietsverlusten und Toten nannte, geben die Berichte unterschiedlich wieder; die AP merkt an, unabhängige Schätzungen sähen etwa 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets unter russischer Kontrolle. Ein Wortlautprotokoll des Weißen Hauses oder eine C-SPAN-Aufzeichnung fand sich nicht; die Zitate folgen den verlinkten Berichten, die in den zitierten Satzteilen übereinstimmen.
Über den Auslöser berichtet Axios unter Berufung auf einen US-Beamten mit direkter Kenntnis: Trump habe sich für das Dieselgeschäft entschieden, nachdem Selenskyj ein halbes Dutzend amerikanischer Bitten ignoriert habe, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Die Angriffe schadeten Russland, aber auch den USA, zitiert Axios den Beamten. Nach dem Bericht hatte Selenskyj angeboten, die Raffinerien zu verschonen, wenn Russland aufhöre, ukrainische Kraftwerke anzugreifen; Trump sehe beides nach Darstellung des Beamten nicht als gleichwertig. Ein ukrainischer Beamter behauptet laut Axios, die US-Unterhändler hätten mit dem Ende der Geheimdienstunterstützung gedroht; der US-Beamte bestreitet das.
Axios ordnet die Äußerung selbst ein: Sie zeige „the most serious crisis between the two leaders“ seit dem Treffen im Februar 2025, das vor laufenden Kameras eskalierte. Das ist die Einschätzung des Mediums, keine Feststellung dieser Redaktion. Nach dem Bericht war Selenskyj von dem Abkommen überrascht worden; die AP zitiert einen ukrainischen Beamten, Kiew habe vorher nichts gewusst. Eine ukrainische Delegation hatte am Freitag in Miami mit den Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner verhandelt.
Aus Kiew liegt eine Antwort des Außenministers vor. Andrij Sybiha schrieb am Abend auf X: „He has the support of the Ukrainian people, and they have the right to decide.“ Selenskyj selbst hatte sich am Vormittag auf X zum Dieselabkommen geäußert und von einem russischen Angriff auf Saporischschja geschrieben. Eine Reaktion auf Trumps Worte fand sich auf seinem X-Konto bis zum späten Abend nicht. Nach der AP töteten russische Gleitbomben in der Region Saporischschja mindestens 20 Menschen, unter ihnen drei Kinder.
Aus Moskau kam Zustimmung. Kirill Dmitrijew, Putins Sondergesandter für Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit, schrieb auf X, Trump schließe sich denen an, die glaubten, dass die Ukraine „leadership actually focused on peace“ brauche, und nannte die Worte „Iconic and historic.“ Eine Äußerung von Kremlsprecher Dmitri Peskow zu Trumps Satz fand sich in den geprüften Quellen nicht.
Die Europäer kritisierten bislang das Dieselabkommen, nicht Trumps Satz über den Präsidenten. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schrieb am Nachmittag auf X, das Aussetzen der Sanktionen verschaffe Moskau mehr Einnahmen für den Krieg; die Äußerung stammt von vor Trumps Worten. Die Bundesregierung bekenne sich nach der AP weiter zu den Sanktionen, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius. Aus London berichtet die BBC, ein Sprecher von Premierminister Andy Burnham habe Selenskyj „complete solidarity“ zugesagt. Eigene Äußerungen von Kanzler Friedrich Merz oder Präsident Emmanuel Macron zu Trumps Satz lagen nicht vor.
Im US-Kongress richtete sich die Kritik am Freitag gegen das Dieselabkommen. Der Republikaner Michael McCaul schrieb nach dem New-York-Post-Bericht, die Aufhebung von Sanktionen auf russisches Öl werde die Kriegsmaschine des Kremls finanzieren. Den Satz über den neuen Präsidenten kommentierten die geprüften Berichte aus dem Kongress nicht.
Zur Sache selbst hielt die Tagesschau fest, die Preise für Rohöl und Diesel seien nach dem Iran-Krieg gestiegen, nicht wegen der Russland-Sanktionen. Axios schreibt dagegen, die ukrainischen Schläge auf Raffinerien hätten in Russland eine Energiekrise ausgelöst und zu einem russischen Dieselexportverbot geführt, was den ohnehin angespannten Markt zusätzlich belaste. Die Trilateralgespräche stehen derweil still: Der Kreml hat sie nach eigener Darstellung vertagt, Selenskyj hatte ein Treffen im Oktober erwartet. Die ukrainischen Angriffe auf Raffinerien beschreibt der frühere Bericht.
Nach der BBC hatte Trump bereits im Dezember 2025 Neuwahlen in der Ukraine gefordert. Welche Schritte er mit der Äußerung verbindet, sagte er nach den geprüften Berichten nicht.