Samstag, 10. Oktober 2026


Außenlage

Geopolitik

Trump kündigt russische Diesellieferungen an und lockert die Sanktionen bis April 2027

Das Finanzministerium erließ noch am Freitag eine Generallizenz. Der Kreml spricht in seiner Erklärung zum Telefonat nur von Lieferbereitschaft und nennt keine Mengen.

US-Präsident Donald Trump hat am 9. Oktober 2026 auf Truth Social erklärt, Russland werde nach einem Telefonat mit Wladimir Putin Diesel auf den amerikanischen und den Weltmarkt bringen: sofort mehr als 300.000 Tonnen, im November weitere 500.000 Tonnen, danach 1.000.000 Tonnen. Das Finanzministerium gab am selben Tag eine Generallizenz heraus, die Geschäfte mit russischem Diesel bis zum 7. April 2027 erlaubt. Nach Trumps Worten soll es Landwirten, Viehzüchtern und Lkw-Fahrern helfen; der Dieselpreis ist nach Reuters seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran um 70 Prozent gestiegen.

Ob Russland die genannten Mengen tatsächlich zusagt, ist offen. Die Erklärung Putins, die der Kreml am Abend veröffentlichte, hält fest, Russland habe seine Bereitschaft bestätigt, Öl und Ölprodukte auf den amerikanischen und den Weltmarkt zu liefern. Von Diesel, von Tonnen oder von einem Zeitplan steht dort nichts. Die Mengen nennt in den geprüften Berichten nur Trump, der sich in seinem Beitrag auf ein „highly successful“ Gespräch mit Putin beruft. Die Lieferung der weiteren 3.000.000 Tonnen, die er nennt, macht er vom Zustand der russischen Raffinerien abhängig.

Der Wortlaut der Lizenz, die Bradley T. Smith als Direktor der Sanktionsbehörde OFAC am 9. Oktober unterzeichnete, ist knapp. General License 135 erlaubt alle Geschäfte, die nach den amerikanischen Russland-Sanktionsregeln (31 CFR Part 587 und 589) verboten wären, soweit sie Verkauf, Lieferung, Entladung oder Einfuhr von Diesel russischer Herkunft betreffen, ausdrücklich auch die Einfuhr in die Vereinigten Staaten. Die Frist endet am 7. April 2027 um 0.01 Uhr Ostküstenzeit. Ausgenommen sind Abbuchungen von Konten der russischen Zentralbank, des Nationalen Wohlstandsfonds und des Finanzministeriums bei US-Finanzinstituten. Eine Mengengrenze nennt der Text nicht. Die AP beschreibt die Lizenz so, dass sie für Diesel gelte, der am Freitag bereits auf Tanker geladen war; diese Einschränkung steht im Lizenztext nicht.

Dass die Vereinigten Staaten den Diesel selbst kaufen, hat Trump in seinem Beitrag nicht gesagt; er spricht vom „American and Global Marketplace“. Politico schreibt, er habe angedeutet, die USA könnten Käufer sein; die AP liest die Ankündigung als Geschäft, bei dem die USA Diesel aus Russland bekommen. Offen ist nach der AP, wer den Diesel bezahlt, wann er verfügbar wird und ob die Lieferungen des nächsten Monats vor der Wahl am 3. November eintreffen; das Weiße Haus habe dazu zunächst nicht geantwortet. Einen Kaufvertrag oder eine Abnahmezusage erwähnt keiner der geprüften Berichte. Die USA führen nach der AP, die sich auf die Energieinformationsbehörde EIA beruft, seit 2022 weder russisches Öl noch russisches Gas ein.

Auslöser sind die Preise. Nach CBS lag der Durchschnittspreis für eine Gallone Diesel in den USA laut dem Automobilclub AAA bei 6,28 Dollar, vor einem Jahr bei 3,68 Dollar. Reuters beschreibt die Preise als nahe am Rekord vor der Kongresswahl am 3. November, die über die Mehrheit im Kongress entscheidet. Nach CNBC treiben die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien die Preise weltweit, und Iran und die Huthi haben Raffinerien im Nahen Osten angegriffen. Russland hat die Dieselausfuhr nach der AP seit Juli verboten, weil es den eigenen Bedarf nach den Angriffen kaum decken kann; die Internationale Energieagentur schätzt den Rückgang der russischen Dieselproduktion laut AP auf etwa 30 Prozent. Ob Moskau das Exportverbot aufhebt, sagen weder Trumps Beitrag noch die Kreml-Erklärung.

Am 2. Oktober, eine Woche vor der Lizenz, hatten die G7 beschlossen, 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl freizugeben; an der Videoschalte nahm auch Trump teil. In der Erklärung kündigten die G7 an, die Sanktionen gegen Russland beizubehalten. Die Lizenz vom 9. Oktober nimmt nur Diesel aus; ihr Text hebt keine weiteren Sanktionen auf. IEA-Direktor Fatih Birol hatte in der Schalte nach der Mitteilung der Agentur darauf hingewiesen, dass ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien die Lage beim Diesel verschärfen. Kiew hatte stärkere Schläge gegen Raffinerien angekündigt.

Im September hatte Trump ein Gesetz unterzeichnet, das Strafzölle von bis zu 100 Prozent auf die fünf größten Käufer russischen Öls oder Gases vorsieht. Die AP schreibt, der Schritt lasse Zweifel aufkommen, ob das Weiße Haus in diesem Monat Sanktionen auf dieser Grundlage verhängt. Trumps Beitrag erwähnt weder Sanktionen noch den Krieg.

Kirill Dmitrijew, ein Gesandter Putins, lobte nach Reuters kurz nach dem Telefonat auf X die Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA bei Diesel und Energie. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte nach UNN scharf. Geschenke an Putin brächten weder Frieden noch Nutzen für die zivilisierte Welt, schrieb er; Russland werde den Diesel mit weiterem Terror vergelten. Jede Lockerung von Sanktionen ohne dauerhafte Deeskalation sei Schwäche. Zugleich schlug er den USA vor, dass die Ukraine russische Raffinerien verschont, wenn Russland die ukrainische Energieinfrastruktur nicht mehr zerstört; die ukrainische Bereitschaft zu gegenseitigen Schritten kenne das amerikanische Team.

Das Telefonat fand an dem Tag statt, an dem eine ukrainische Delegation in den Vereinigten Staaten mit Trumps Gesandten über ein Kriegsende verhandelt. Nach der Kreml-Erklärung nahmen die Aussichten einer Beilegung der Ukraine-Krise viel Raum ein; auch die Lage um den Iran und die bilateralen Beziehungen kamen zur Sprache. Eine Gegenleistung für die Lieferungen nennt keiner der geprüften Berichte. Die BBC schreibt, sie habe das Weiße Haus gefragt, was die USA Russland dafür geben, und beschreibt Trumps Beiträge auf Truth Social als oft unvollständig.

Aus Europa liegt in den für diesen Text geprüften Berichten keine Stellungnahme zu Lizenz und Lieferankündigung vor. USA Today vermerkt, ein Sprecher der Europäischen Kommission habe auf eine Anfrage zunächst nicht geantwortet.