Freitag, 6. November 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

US-Militär ist laut CNN binnen 96 Stunden zu Iran-Angriffen bereit

Teheran wirft Washington vor, es meine es mit Verhandlungen nicht ernst, und vermisst einen konkreten Vorschlag der Europäer. Präsident Peseschkian reist nach Russland.

Die US-Streitkräfte im Nahen Osten sind laut CNN darauf vorbereitet, binnen 96 Stunden nach einem Befehl von Präsident Donald Trump neue, möglicherweise umfangreiche Militäroperationen gegen Iran zu beginnen. Das berichtet der Sender unter Berufung auf zwei US-Beamte in einem am Montag um 5 Uhr MEZ veröffentlichten und um 11.40 Uhr MEZ aktualisierten Bericht. Inzwischen seien genügend Kräfte in der Region stationiert, um die Angriffe auszuführen. Das Zentralkommando Centcom und das Pentagon arbeiten demnach an einer breiten Zielliste, die Energieinfrastruktur, militärische Anlagen und Atomanlagen umfasst.

Trump hat nach Darstellung der Beamten noch nicht entschieden, wie er nach den Zwischenwahlen am 3. November vorgehen will, neigt aber zu einem größeren Einsatz. Zugleich verweisen sie darauf, dass er in der Vergangenheit schon mehrfach kurz vor einer Entscheidung zurückgezogen habe. Das Weiße Haus wollte sich gegenüber CNN nicht äußern; ein hoher Pentagon-Beamter erklärte, das Ministerium plane militärische Optionen und führe aus, was der Präsident anordne. Nach Angaben eines US-Beamten werden nicht zwingend benötigte Soldaten der nächsten Rotation nicht mehr in den Nahen Osten geschickt. Die Botschaft in Riad ist bisher die einzige amerikanische Vertretung in der Region, für die eine angeordnete Ausreise gilt; weitere sollen laut CNN folgen oder ihr Personal begrenzen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach Angaben zweier US-Beamter und einer israelischen Sicherheitsquelle auf neue Angriffe gedrängt, Washington bat ihn jedoch, bis zu gemeinsamen Operationen zu warten. Netanjahu habe Trump vor den Wahlen zu einem gemeinsamen Angriff bewegen wollen, aber kein grünes Licht bekommen, sagte die israelische Quelle dem Sender; Trump habe auch deshalb abgelehnt, weil Israels Generalstabschef Eyal Zamir gewarnt habe, ein Angriff schade der israelischen Parlamentswahl am Dienstag und führe zu ihrer Verschiebung. Das Büro des Ministerpräsidenten nannte das laut CNN Falschmeldungen. Die Pläne seien fertig und warteten auf Trumps Zustimmung, möglicherweise nach den Zwischenwahlen, zitiert CNN eine der Quellen.

Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei warf den USA auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz am Montag vor, es mit Verhandlungen nicht ernst zu meinen. Das berichtet die türkische Agentur Anadolu unter Berufung auf die Staatsagentur IRNA. Von den Europäern habe Teheran außer der politischen Erklärung, die sie verlesen hätten, keinen Vorschlag erhalten, sagte Baghaei laut dem Telegram-Kanal von IRNA. Großbritannien, Frankreich und Deutschland hätten in den vergangenen zwei Jahren keineswegs konstruktiv gehandelt und sich zum Teil des Problems gemacht, sagte er laut einer weiteren IRNA-Meldung: durch die Gefolgschaft gegenüber Washington beim sogenannten Snapback, der Wiedereinsetzung der UN-Sanktionen, und weil sie die Angriffe auf iranische Atomanlagen nicht verurteilt hätten. Ob die jüngste Betonung der Diplomatie durch die Europäer einen Kurswechsel bedeute, sei unklar; es könne sich um eine politische Geste handeln.

Präsident Massud Peseschkian reist laut Anadolu am späten Montag nach Russland, um am Gipfel der Gas exportierenden Länder teilzunehmen. Die Reise biete Gelegenheit zu Beratungen der großen Energielieferanten und zu bilateralen Treffen des Präsidenten mit Amtskollegen, sagte Baghaei laut IRNA. Zur israelischen Wahl erklärte er laut Anadolu, für Teheran mache es keinen Unterschied, wer die Führung in Israel übernehme.

Am Sonntag hatte Trump einen Angriff der USA auf Iran für denselben Tag ausgeschlossen. Auf die Frage eines Reporters sagte er, die Antwort sei nein, es werde heute keinen Schlag geben. Das zeigt ein Video, das unter anderem der Account Clash Report um 17.06 Uhr MEZ auf X verbreitete; auch die Times of Israel berichtet über die Äußerung. Trump sprach nach Angaben der Zeitung vor Reportern, bevor er an Bord der Air Force One ging; den Abflug nach Michigan meldete der Account Rapid Response 47 des Weißen Hauses um 17.38 Uhr MEZ auf X.

Zugleich waren am Sonntag katarische Vermittler in Teheran, um in Abstimmung mit den USA die Spannungen in der Region abzubauen. Das sagte ein über die Lage unterrichteter Offizieller der Nachrichtenagentur Reuters, deren Meldung unter anderem Iran International und die pakistanische Zeitung Dawn wiedergeben. Weitere Einzelheiten zu den Gesprächen waren nach Angaben von Iran International zunächst nicht bekannt. Außenamtssprecher Esmail Baghaei bestätigte am Montag laut Anadolu den Besuch einer katarischen Delegation; dabei sei es um bilaterale Zusammenarbeit und regionale Vermittlung gegangen.

Ebenfalls am Sonntag äußerte sich Trump zu Geheimdiensterkenntnissen über Iran. Es gebe zwei sehr unterschiedliche Sätze von Berichten, er habe beide, sagte er in einem Video, das Rapid Response 47 um 17.35 Uhr MEZ auf X veröffentlichte; ein Teil sei freigegeben worden, ein Teil nicht. Die Times of Israel verweist in ihrem Bericht auf die New York Times, der zufolge zwei iranische Offizielle Vorbereitungen bestätigten, amerikanische Diplomaten und Personal ins Visier zu nehmen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte demnach vor möglichen Angriffen vor der israelischen Parlamentswahl am Dienstag.

Am Samstag hatte Trump einen neuen Angriff noch für Sonntag für möglich gehalten. Auf die Frage eines Reporters, wie weit die Vorbereitungen seien, sagte er, man denke darüber nach, vielleicht morgen; zugleich fragte er zurück, ob man wirklich glaube, er werde das verraten. Das zeigt ein Video, das der Account Rapid Response 47 des Weißen Hauses am Samstagabend auf X veröffentlicht hat. Außerdem nannte Trump die Möglichkeit eines großen Abkommens: Iran wolle eine Einigung, die Frage sei aber, ob es sich daran halte.

Trump äußerte sich nach Angaben des indischen Senders NDTV in Florida, nachdem er dort vorzeitig seine Stimme für die Zwischenwahlen abgegeben hatte. Die Frage nannte er in dem Video dumm und ordnete den Fragesteller dabei dem Wall Street Journal zu. Am 8. Oktober hatte Trump auf Truth Social erklärt, die USA würden Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November nicht angreifen. Noch am Donnerstag sagte die Sprecherin des Weißen Hauses Anna Kelly dem Sender ABC News, die Vereinigten Staaten würden Iran zu keinem Zeitpunkt vor den Wahlen angreifen.

Aus Teheran kamen am Sonntag Drohungen. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf kündigte in einer Parlamentssitzung nach Angaben der den Revolutionsgarden nahestehenden Agentur Tasnim an, Iran werde auf jeden Angriff auf sein Staatsgebiet mit einer Antwort reagieren, die über die Erwartungen seiner Gegner hinausgehe. Solange die USA ihr Verhalten nicht änderten und für gebrochene Zusagen keinen greifbaren Ausgleich leisteten, hätten ihre Aussagen für die Islamische Republik keine Glaubwürdigkeit. Die USA hätten sich mit ihrem Krieg gegen Iran selbst in einen Sumpf manövriert und müssten nun selbst einen Ausweg finden, sagte Ghalibaf. Außenminister Abbas Araghchi erklärte laut Tasnim auf einer Veranstaltung in Teheran, Irans Politik bleibe unverändert, ob es zum Krieg komme oder nicht; siege die Vernunft, werde sich die militärische Aggression gegen Iran nicht wiederholen. Nach der Wiedergabe von Iran International sagte er, zweimal sei Krieg versucht worden, ohne Ergebnis, und auch ein weiterer Versuch werde kein anderes bringen. Die amerikanischen Stützpunkte in der Region seien zur Quelle von Unsicherheit für ihre Gastländer geworden, ausländische Truppen müssten vollständig abziehen. Die Verwaltung der Straße von Hormus werde nicht mehr so sein wie zuvor, sagte Araghchi laut Tasnim. Laut der Nachrichtenagentur Fars warnte Iran am Sonntag zudem Deutschland, im Fall eines offenen Eintritts in den Konflikt würden Einrichtungen mit Deutschland-Bezug in der Region zu Zielen (mehr).

Die iranische Armee meldet zudem den Abschuss einer amerikanischen Drohne vom Typ LUCAS über der südiranischen Hafenstadt Bandar Abbas. Die Luftabwehr der Armee habe die Drohne getroffen und zerstört, heißt es nach Angaben von Tasnim in einer Mitteilung. Auch Iran International gibt die Darstellung der Armee wieder.

In dem knapp zwei Minuten langen Video vom Samstag begründet Trump den Druck auf Teheran mit dem Atomprogramm. Er hätte schon vor einem Jahr mit den B-2-Bombern zuschlagen und abziehen können, sagte er; dann hätte Iran aber binnen ein bis zwei Jahren einen Weg zur Atombombe gefunden. Er müsse das Ergebnis dauerhaft machen. Ob die USA den Krieg zu Ende führten oder ein Abkommen schlössen, liege bei Iran.

Schon am Freitag hatte Trump laut NDTV gesagt, die USA könnten eine weitere kleine Operation Epic Fury unternehmen, so der amerikanische Name für die Angriffe auf Iran. Am selben Tag hielt der US-Botschafter in der Türkei, Tom Barrack, einen Schlag am Wochenende für möglich. Nach Angaben zweier israelischer Quellen gegenüber ABC News planen amerikanische und israelische Streitkräfte neue gemeinsame Angriffe, die fast sicher erst nach den Wahlen stattfinden sollen; zuerst hatte die New York Times darüber berichtet. Trump selbst hatte am Mittwochabend laut ABC gesagt, die meisten Leute glaubten offenbar, es werde nach der Wahl passieren.

Im Video vom Samstag verweist Trump auch auf die Straße von Hormus: Unter Berufung auf einen Bericht der Zeitung des Fragestellers sagte er, inzwischen fließe dort mehr Öl als vor dem Krieg. Zugleich ist der Oktober dort nach Daten des Washington Institute for Near East Policy der Monat mit den meisten Angriffen auf Handelsschiffe seit Beginn der Aufzeichnungen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, deren Bericht die Gulf Times wiedergibt. Das Institut zählt 28 bestätigte und gemeldete Angriffe in der Meerenge und den umliegenden Gewässern im Oktober und 113 seit Kriegsbeginn am 28. Februar. Nach einer Reuters-Auswertung der Liste der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation und von Schiffsdaten des Dienstes MarineTraffic wurden im Oktober elf Supertanker beschädigt. Die britische Meldestelle UKMTO hatte schon Mitte Oktober eine Serie von Schiffsangriffen gemeldet.

Am Samstag hatte Irans Botschafter in Islamabad, Reza Amiri Moghadam, auf einem Seminar erklärt, Teheran habe bei Besuchen des pakistanischen Armeechefs Asim Munir angeboten, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, wenn Washington seine Blockade iranischer Häfen beende. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP, deren Meldung Arab News Pakistan wiedergibt. Trump habe den Vorschlag abgelehnt, indem er auf der Fortsetzung der Blockade bestehe, sagte der Botschafter demnach; Iran sei weiter zu Gesprächen auf Grundlage der im Juni von Pakistan vermittelten Zwischenvereinbarung bereit. Tasnim zitierte laut Iran International eine informierte Quelle, die einen ähnlichen Bericht des Senders Al Arabiya als erfunden zurückwies: Ein Tausch von Hormus gegen die Blockade komme für Iran nicht in Frage. Das Dementi richtete sich nach Darstellung von Iran International gegen den Bericht von Al Arabiya, nicht gegen die Äußerungen des Botschafters.