Montag, 19. Oktober 2026


AUSSENLAGE

Geopolitik

Trump wirft Selenskyj Unwillen zum Frieden vor

Der US-Präsident verteidigt die Aussetzung der Russland-Sanktionen. Kiew sieht sich laut einem Bloomberg-Interview Selenskyjs zur Kapitulation gedrängt.

US-Präsident Donald Trump hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgeworfen, den Krieg mit Russland nicht beenden zu wollen. Selenskyj kümmere das Leid auf dem Dieselmarkt nicht, er wolle den Krieg nicht beenden und habe das wahrscheinlich nie gewollt, schrieb Trump am 18. Oktober um 22.36 Uhr MESZ auf Truth Social (Archivkopie). Die Aussetzung der Sanktionen gegen Russland begründete er damit, dass er Moskau nicht vom Verhandlungstisch vertreiben wolle.

Russland helfe Iran kaum, schrieb Trump weiter, und schicke Millionen Barrel Diesel zu niedrigen Preisen in die Welt. Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien schadeten dagegen dem Weltmarkt für Diesel, auch in den USA. Ein besseres Abkommen hätte Selenskyj nach Trumps Darstellung vor zwei Jahren bekommen können.

Selenskyj selbst hatte am Sonntag auf Telegram geschrieben, Russland habe die ukrainische Energieversorgung seit Trumps Ankündigung einer Energie-Waffenruhe vor einer Woche 76-mal angegriffen. Nach einem Telefonat mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner schrieb er auf Telegram, von der Position Amerikas hänge viel ab. In einem Interview mit Bloomberg sagte er laut tagesschau und RBC-Ukraine, es seien Schritte unternommen worden, um die Ukraine zur Kapitulation zu überreden. Er wolle nicht glauben, dass die USA den Krieg auf Kosten der Ukraine schneller beenden wollten, aber so sehe es aus. Als Beispiele nannte er laut RBC-Ukraine die Drosselung von Starlink und Verzögerungen bei bereits bezahlten Patriot-Raketen.

Die Frühwarndaten der USA zu russischen Raketenstarts fließen nach Selenskyjs Angaben wieder, Starlink bleibt aber gedrosselt. Sein Angebot, die Angriffe auf Raffinerien gegen mehr Patriot-Abfangraketen einzustellen, hatte Selenskyj schon Mitte Oktober gemacht (unser Bericht). Zuvor hatte US-Finanzminister Scott Bessent Selenskyjs Starlink-Vorwurf zurückgewiesen (unser Bericht); zur Aussetzung der Sanktionen siehe diesen Bericht.